Wie an jedem Montagmorgen trete ich auch heute meinen Gang durch die wunderbare Welt der bucerianischen Anglizismen vom Moot Court zum Freshlinks Brucklaters Lutz lecture room an, schaue in der Pause kurz nach meinen Mails im Gleiss Heringer IT center, um mir in am Mittag „mixed salad leaves with fetta cheese, olives and peppers served with ciabatta“ im food court zu bestellen. Während ich meine Bucerius Card an der Charging Station auflade, damit ich mein so wunderbar übersetztes Menü (und danach vielleicht einen Kaffee in der StarBuc’s Café-Lounge) auch bezahlen kann, stelle ich mir die immer wiederkehrende Frage, warum um Himmels Willen die Hochschulleitung beschlossen hat, dass ich nicht in einer ganz normalen Mensa einen ganz normalen Salat essen darf und warum wir in einem „Bucerius Center for Graduate Studies – Deutsche Bank Hall“ lernen dürfen, statt in einem einfachen Bibliotheksgebäude.

Ihr Leitbild, eine Universität von „besonderer Schnelligkeit sowie starker internationaler und praxisorientierter Ausrichtung“ zu sein, haben die verantwortlichen Herren (und Damen) bei der Gestaltung unserer Hochschule jedenfalls nicht verfehlt. International Office, Facility Management, Wine Society und Bucerius Executive Education tragen zugegebenermaßen ihren Teil dazu bei, dass sich auch die Auslandsstudenten bei uns orientieren können. Doch muss die Hausmeistercrew aus dem selben Grund wirklich Facility Management heißen? Zweisprachigkeit: ja, Englische Ausdrücke, um den Anschein der Modernität zu wecken: nein danke.

Ich will mit Sicherheit nicht über einen Verfall der Deutschen Sprache weinen und ein Verbot der Anglizismen an unserer Hochschule predigen, denn rein namenstechnisch würde die „Film-Gesellschaft“ ebenso wie der „Warenhandel mit Jura-Schul-Produkten“ arg darunter zu leiden haben. Dennoch: internationale Ausrichtung hin oder her, mir scheint das Gehabe um die englische Sprache ein wenig übertrieben. In vielen Fällen verfolgt die Anglisierung nämlich nur einen Zweck – das künstliche Aufplustern ganz simpler Sachen.

Wenn man diesen Trend ein wenig eindämmen könnte, dann könnte ich demnächst einen einfachen Kaffee in einer ganz normalen Cafeteria trinken. Oder Ersti-Eltern, die der englischen Sprache nicht mächtig sind, könnten auf der nächsten akademischen Feier vielleicht sogar einige der weisen Worte verstehen, die die Redner ihren Sprösslingen mit auf den Weg geben.

Katharina Mohr