In einem lesenswerten Artikel in der ZEIT vom 6.10. berichtet Sabine Rückert über einen schon länger schwelenden Streit zwischen Thomas Fischer, dem stellvertretenden und momentan kommissarischen Vorsitzen des zweiten Strafsenats, und Klaus Tolksdorf, dem Präsidenten des Bundesgerichtshofs. Tolksdorf äußerte sich negativ über die Eignung Fischers als Vorsitzender des zweiten Strafsenats und begehrt tiefgreifende Änderungen der Struktur des zweiten Strafsenats. Wer noch nicht über den Streit, der schon seit Sommer diesen Jahres vor dem Verwaltungsgericht ausgefochten wird, informiert ist, sollte den ZEIT-Artikel unbedingt lesen. Besonders interessant ist dies im Hinblick darauf, dass Fischer im letzten Trimester mit Professor Dr. Thomas Rönnau das Seminar “Moderne Herausforderungen für das Strafrecht” veranstaltet hat. Bei dieser Gelegenheit war es Studenten möglich, aus eigener Anschauung zu erfahren, warum Fischer als eigenständiger Denker oder manchmal sogar als Querkopf bezeichnet wird. Ob es nun um seine Meinung zu aktuellen BGH-Entscheidungen geht oder die Art, wie BGH-Richter ernannt werden – Fischer hatte immer interessante Ansichtsweisen.
An dieser Stelle ist natürlich nochmal dem Professor zu danken, der Fischer dafür gewinnen konnte, an dem Seminar teilzunehmen.
10.10.11 at 17:16
Ein sehr heikles Thema… Die Gründe für die Nichtberufung von Fischer von außen zu beurteilen fällt schwer. Der Artikel ist natürlich an Eindeutigkeit nicht zu überbieten, aber wie vertrauenswürdig ist Frau Rückert wirklich nach ihrer Kachelmann/Schwenn-Geschichte?
10.10.11 at 22:53
Spaß an der Provokation, starke Meinungen und der Mut, sie auszusprechen, reichen für eine Führungsaufgabe nicht aus. Deshalb ist Henryk Broder kein Chefredakteur – und Thomas Fischer kein Senatsvorsitzender.
Die Fähigkeit zur Rücksichtnahme gehört für “Chefs” mit Personalverantwortung auch dazu, und man muss sich eben schon darum scheren, ob man andere kränkt. Auch auf den Fluren des besagten Strafrechtsseminars wurde er ob seiner beißenden, rücksichtslosen Kritik selbst an Ersttrimestern hinter vorgehaltener Hand nicht nur einmal als (zensiert) bezeichnet.
Insofern kommt der beste Satz in dem ZEIT-Artikel ausgerechnet von einem Politiker: “Er darf ja ein Gegner der Absprache [und genialer Jurist] sein, aber er muss sich benehmen.”
Anm.: Gewisse Aussagen werden aus gutem Grunde hinter vorgehaltener Hand gesagt. Die Anonymität des Internets und die öffentliche Debatte um eine Person machen diese nicht veröffentlichungswürdig.
26.10.11 at 17:27
Und es geht in die nächste Runde: http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2011-10/bgh-richter-fischer
26.10.11 at 20:22
Nachtrag:
http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2011-10/bgh-richter-fischer
21.11.11 at 17:36
Es sei hier nur mal ganz kurz klargestellt: Ich war auf dem Strafrechtsseminar und hab an allen 3 Tagen alle Vorträge mitgehört und nicht ein einziges Mal hat Fischer irgendwen unsachlich bewertet oder kommentiert. Die schlechteste Note in dem Seminar lag bei 9 Punkten. Es macht mich wirklich fassungslos wie hier irgendein Student von uns es sich erlaubt, im nachhinein so ewas zu sagen. Hier ist der Punkt: Wenn du als Erstsemester ein Seminar schreibst, dann ist es normal Fehler zu machen. Wenn man dir das dann nicht auch erklärt und klar macht, war doch alles für die Katz. Jedenfalls auf dem Seminar war Fischer sachlich, nett zu uns und hat sich 3 Tage!!! Zeit genommen unsere Vorträge anzuhören.
Ich hab nie mitbekommen, dass Fischer auf dem Seminar als irgendetwas bezeichnet wurde. Es stösst mir aber auf, wenn am Ende des Seminars alle hingehen sich lächelnd bedanken und dann hier im Internet anonym denunziert wird. Gerade weil das hier jeder lesen kann, wollte ich das gerne mal klarstellen. Das ist doch keine Art. Wenn man keine negative Kritik möchte soll man gründlicher arbeiten.
Und Kritik an seiner Arbeit nicht als Angriff auf die eigene Person zu verstehen lernt man doch schon in der Schule.