Ein Gastbeitrag.

Liebe Kommilitonen,

aus aktuellem Anlass mache ich Euch auf einen in meinen Augen besonders bemerkenswerten Aspekt der aktuellen Gebührenerhöhung aufmerksam:

Das EVP, und damit auch das reguläre Studium an der Bucerius Law School endet regelmäßig gegen Mitte Oktober. Der erste, hierauf folgende Examenstermin, beginnt meist Mitte November. Für alle Studierenden, die am EVP in der gesamten Länge teilnehmen (dies sind mit ganz wenigen Ausnahmen alle) bedeutet dies, dass auf sie in jedem Fall mindestens 500 Euro zusätzliche Gebühren zukommen, die nicht von den Finanzierungsmöglichkeiten abgedeckt sind. Hierbei dürfte es jedoch im Regelfall nicht bleiben: Die Korrektur der Novemberklausuren dauert im Normalfall etwa bis zum März des darauf folgenden Jahres. Bis zur mündlichen Prüfung ist es ein weiterer Monat. Das heißt, dass für alle, die während der gesamten Zeit bis zum Abschluss des ersten Staatsexamens immatrikuliert bleiben, mindestens noch ein weiteres Mal Studiengebühren anfallen. Selbstverständlich bleibt die Möglichkeit, sich zu exmatrikulieren. Ob dies jedoch ein gangbarer Weg ist, erscheint fraglich: Es entfallen nicht nur die Möglichkeiten zur Teilnahme an simulierten mündlichen Prüfungen und die Nutzung der Bibliothek, auch vom Finanzamt könnte Ärger drohen: Damit bis zum 25ten Lebensjahr Kindergeld bezahlt wird, ist der Nachweis einer laufenden Ausbildung im Regelfall durch Vorlage einer Studienbescheinigung zu erbringen. Somit dürfte es die allermeisten mit mindestens 1000 Euro zusätzlichen Gebühren treffen. Wie sich die Sache verhält, wenn man sich überlegt, erst den Februartermin wahrzunehmen, kann sich jeder selbst ausrechnen (im 2003er Jahrgang sind dies übrigens über 50 Studierende).

Es stimmt, wenn die Hochschulleitung argumentiert, die Erhöhung sei vom Studienvertrag gedeckt. Dem steht jedoch entgegen, dass die Erhöhung zumindest eine Einschränkung des Prinzips der „need-blind admission“ darstellt, da die Gebühren zu einem Zeitpunkt von den Studierenden aufgebracht werden müssen, bei dem regelmäßig jeder Nebenjob vollkommen ausgeschlossen ist. Gleichzeitig entspricht auch der Satz: „Das gesamte Studium an der Bucerius Law School kostet damit 39.600,- Euro.“ nicht mehr der ganzen Wahrheit.

Alle, die die aktuelle Gebührenerhöhung für unverhältnismäßig halten, rufe ich daher hiermit nachdrücklich dazu auf, gegenüber der Hochschulleitung Protest (sachlich!) zu äußern. Bitte setzt hierfür nicht den Verteiler ins CC, sondern beschränkt Euch z.B. darauf, Eure E-Mails auch der SV weiterzuleiten. Diese ist um zusätzliches Argumentationsmaterial stets dankbar. Für die SV ist das Thema im Übrigen mitnichten abgeschlossen; die Erhöhung ist nach wie vor Thema, man hofft auf Gesprächsbereitschaft (die – um ganz vorsichtig zu bleiben – wohl zumindest signalisiert wurde).

Zur Orientierung im Folgenden meine E-Mail an die Hochschulleitung:

Sehr geehrter Herr […],

in der Mitteilung über die Erhöhung der Nutzungsgebühren nach dem zwölften Trimester (durch die SV) wurde leider nicht kommuniziert, auf wen die Entscheidung zur Erhöhung der Gebühren – auf Sie oder auf die Gesellschafterin der Bucerius Law School gGmbH – zurückzuführen ist; was also die Erhöhung der Gebühren angeht, wäre es unpräzise, von persönlicher Enttäuschung zu sprechen.

Persönliche Enttäuschung, und das sage ich ganz deutlich, empfinde ich jedoch darüber, wie die Entscheidung kommuniziert wurde. Wenigstens bei mir entsteht so der Eindruck, auf Seiten der Entscheidungsträger sei nicht genügend Rückrat vorhanden, um den Studierenden diese Mitteilung persönlich zu kommunizieren. Warum wird die Studierendenvertretung zur Bekanntgabe schlechter Nachrichten „benutzt“?

Gewiss, sie ist es, die Anregungen, Wünsche, Sorgen, Lob etc. der Studierenden sammelt, kanalisiert und gegenüber den Verantwortlichen zur Sprache bringt. Gleichwohl entspricht es nicht meinem Verständnis guter Kommunikation und dem gutem Verhältnis zwischen Hochschulleitung und Studierenden, wenn der Eindruck entsteht, Entscheidungsträger würden sich hinter einem Gremium der Studierenden „verstecken“. Bei unbequemen Entscheidungen wie dieser (die immerhin einige Studierende vor ein ernsthaftes Problem stellen dürfte), entspräche es in meinem Augen aufrichtiger Kommunikation, wenn die Verantwortlichen sie den Studierenden persönlich bekant geben würden (wie es etwa bei der Alumni-Vereinbarung der Fall war – ich meine damit Ihre erste E-Mail, nicht die Antwort auf die „Verteilerkampfschrift“ eines Absolventen). So bleibt es beim Hinweis der SV, Sie hätten sich der Argumentation der SV leider nicht angeschlossen – dürftig. Vor diesem Hintergrund finde ich es wenig verwunderlich, wenn der Eindruck von Kompromisslosigkeit entsteht oder Gerüchte über eine angespannte, finanzielle Situation der Hochschule die Runde machen.

Was die Situation der Studierenden und ihre Schwierigkeiten mit der neuen finanziellen Situation angeht, füge ich der Argumentation der SV hinzu, dass es doch sehr verwundert, wenn Doktoranden, die zumindest über die nötige Flexibilität für einen Job verfügen, die Bibliothek für 150 Euro nutzen können, während Examenskandidaten, die naturgemäß einem eher straffen Zeitplan unterliegen, das Dreifache aufbringen sollen. Die Entscheidung lässt in meinen Augen Sensibilität und Augenmaß vermissen.

Schließlich würde ich mich sehr freuen, wenn Sie mir, der ich Ihnen nicht als Studierendenvertreter (der ich nicht bin), sondern persönlich schreibe, (gerne auch nur kurz) darlegen könnten, welche Erwägungen Sie in Ihre Abwägung zwischem finanziellem Interesse der Hochschule und finanzieller Situation der Studierenden haben einfließen lassen.


Freundliche Grüße

[…]

C.

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