Die Bucerius Law School, Hochschule für Rechtswissenschaft, legt ja großen Wert darauf, dass ihre Studenten nicht nur in klassischem deutschen Recht glänzen können, sondern auch vom Code Civil, UCC und der Thin Skull Rule zumindest schon einmal gehört haben. Dazu gehört teilweise auch ganz simpler Fremdsprachenunterricht – natürlich verpackt in Kurse mit so wunderschönen Namen wie „Français Juridique“, „Introduction to Anglo-American Contract and Commercial Law“ und „Law and Society“.

Leider machen sich dabei auch Unarten des International English, also Wendungen, die ein Muttersprachler nie verwenden würde, aber von Ausländern als vollkommen korrekt angesehen werden, an unserer Hochschule breit. Zeit, etwas dagegen zu tun.

Grundsätzlich gilt ja, dass sich fest stehende Wendungen schlecht übersetzen lassen. Wer also meint, seine Mitmenschen darauf hinweisen zu müssen, dass man sich bald für etwas melden solle, da das Angebot begrenzt sei, der muss aufpassen, was er sagt. Das Deutsche hat für diesen Zweck neben dem klassischen „solange der Vorrat reicht“ noch das nur mit einem Augenzwinkern zu verwendende Idiom „den Letzten beißen die Hunde“ zu bieten.

In den Mails, die so Tag für Tag in meinem Postfach landen, hat sich dagegen das Englische „first come, first serve“ (sic!) breit gemacht. Neben einem peinlichen sprachlichen Fauxpas (dazu später) enthält der Satz noch einen krassen inhaltlichen Fehler. Genauso wie das deutsche Äquivalent „wer zuerst kommt, mahlt zuerst“ will der Sprecher damit nämlich sagen, dass auf jeden Fall alle bedient würden, nur eben in geordneter Reihenfolge. Wenn man aber Theaterkarten zu vergeben hat, sind die irgendwann alle – wer später kommt, darf gar nicht mehr mahlen beziehungsweise wird gar nicht bedient. Für diesen Fall kennt das Englische den Satz „the early bird catches the worm“ – der späte Vogel kriegt da gar nichts mehr zwischen die Zähne.

Deswegen empfehle ich denjenigen, die Kinokarten, Studium-generale-Plätze oder Schokotorte zu verschenken haben, die richtige Wendung zu verwenden, wenn sie sich nicht lächerlich machen wollen.

Wer mir vorwerfen will, ich sei ein typisch juristischer Nit-pick (Korinthenkacker), der unnötigerweise auf sprachlichen und logischen Genauigkeiten à la „wegen dem“, „Sinn machen“ (haben, haben!) oder „größtmöglichst“ herumhacke, dem sei noch folgende Botschaft mit auf den Weg gegeben: Es heißt „First come, first served„! Alles andere ist schlicht falsch: come und served sind Partizipien, auch wenn das erste der beiden so gar nicht danach aussieht.

Aber anscheinend machen das auch Muttersprachler falsch. 

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