Januar 2009


Es ist ein leidiges, nicht enden wollendes Thema: die Raum(ver)planung. Die nächste Folge gibt es am kommenden Dienstag: Normalerweise hätten wir (Jahrgang 2006) von 14.00 bis 15.30 Uhr im Auditorium EVP I/Öffentliches Recht. Nun ist das Auditorium an diesem Tag mal wieder anderweitig verplant und wir als Studenten ziehen mal wieder den kürzeren. So werden wir also mal wieder im ach so heimeligen, gemütlichen und objektiv zu kleinen Ovalen Hörsaal sitzen, während Externe „unser“ Auditorium belegen.

Auf Nachfrage bei der Bucerius Event GmbH, ihres Zeichens 100-%ige Tochter der BLS gGmbH und für die Raumplanung zuständig, wurde mir in einem sehr netten Gespräch mitgeteilt, dass dies nicht auf die Planung der Event GmbH zurückzuführen sei, sondern auf eine Wertung der Hochschulleitung: Bei diesen Veranstaltungen, die uns aus „unseren“ Hörsälen werfen, handele es sich um keine kommerzielle Vermietung, an der die Event GmbH (und damit die BLS) verdiene. Vielmehr seien dies Veranstaltungen, die von der Stiftung oder der Hochschulleitung forciert würden und die Event GmbH würde nur ausführen und planen. Im Klartext also: Die Hochschulleitung trifft die Entscheidung, dass die Außenreputation (Kontakte, PR, mögliche Arbeitgeber) wichtiger ist als die Lehrveranstaltungen. Zugegeben sind die SOS-Kinderdörfer (darum geht es kommenden Dienstag) unterstützenswert und auch die Wirkung der Hochschule ist wichtig, aber meiner Meinung nach sollte der Lehre in einer Hochschule der Vorrang eingeräumt werden.

Auch wenn die Geschäftsleitung dies immer wieder betont, handelt sie doch entgegengesetzt. Dies finde ich unmöglich. Was sie bei der nächsten Gelegenheit wohl zu einem „Streik“ (einfach die Vorlesung trotzdem im Auditorium durchführen) sagen würde?

P.C.

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Die Einstellung des Abonnements der Datenbank „Business Source Premier“ ist erfreulich. Zwar mag sie zu Lasten des wirtschaftswissenschaftlichen Informationsangebots für die MLB-Studenten gehen, jedoch wird so ein fünfstelliger Betrag frei, den man zum Beispiel zur Erweiterung des bestehenden beck-online-Zugangs nutzen könnte.

…natürlich nachdem ein zweiter Erfurter Kommentar angeschafft wurde. Auch wenn dieser ebenso online verfügbar ist: Online-Datenbanken sind zum Stöbern nach der richtigen Fundstelle schlecht geeignet.

Vielleicht gibt es aus anderen Kreisen ähnliche Anschaffungsvorschläge. Jetzt, wo Geld da ist…

In der aktuellen ZEIT (Nr. 5 vom 22.01., S. 63, auch online) schreibt Jan-Martin Wiarda  unter der Überschrift „Am Ende des Sonderwegs“ über schwindenden Widerstand gegen die Umsetzung des Bologna-Abkommens in der Juristenausbildung. Genannt werden die Justizminister Schleswig-Holsteins, Nordrhein-Westfalens, Baden-Württembergs und Sachsens als Befürworter und Bayerns Beate Merk als Anführerin der Gegner der Reform. Hamburg ist offenbar nicht klar positioniert (am 5.2. kommt Justizsenator Till Steffen in die Hochschule, wir werden ihn dann ins Gewissen nehmen können).

Wer glaubt, dass wir als Studenten einer Privatuni da gar nichts mit zu tun haben, der irrt: In der Diskussion geht es um so heikle Themen wie die Abschaffung der beiden Staatsexamina für die Anwaltszulassung.

Was die Gemüter dabei so hoch kochen lässt, wird erst auf den zweiten Blick klar. Denn eine bloße Umstellung vom Staatsexamen auf Bachelor und Master mit modulartig zusammengesetzten Curricula, Klausuren nach jedem Semester, Leistungspunktsystem und so weiter tut keinem weh. Wenn man sich den Erfolg der kommerziellen Repetitorien ansieht, sehnen sich Jurastudenten schon lange nach einer besser organisierten, vulgo „verschulteren“ Ausbildung.

Spannend wird es jedoch bei den Abschlüssen, und nur da hat der Staat das Heft auch wirklich in der Hand, wo die Unis ihre Studiengänge doch, wie wir es am eigenen Leibe erfahren, selbst regeln können: Er setzt nämlich die Voraussetzungen für die Befähigung zum Richteramt und die Anwaltszulassung fest.

Folglich wäre eine Umsetzung „light“, wie sie bei uns und auch an der Uni Mannheim schon geschehen ist, ein Kinderspiel: Grundstudium und Schwerpunkt gleich Bachelor, danach kommt das Staatsexamen als Sahnhehäubchen für diejenigen, die Anwalt oder Richter werden wollen. Das sind aber nun mal (fast) alle. Deshalb ist das selbst gesetzte (Bologna ist nicht verpflichtend!) Ziel hier noch nicht erreicht.

Und genau hier scheiden sich die Geister. Richtiger Weise muss man zwei Fragen stellen (was Herr Wiarda leider verpasst): Erstens, können Bachelor und Master einen gleichwertigen Bildungsgrad abbilden? Und zweitens, wenn dem nicht so ist, geht es auch mit „leichteren“ Prüfungen?

Aus meiner Sicht ist die Sache nämlich so: Das Staatsexamen ist bekanntermaßen schwer und „bestehen“ und „vollbefriedigend“ sind nun mal zwei verschieden Paar Schuh‘. Darum befürchten die Gegner der Reform, dass mit Bachelor und Master ja auf einmal jeder dahergelaufene Student von seiner Uni (und nicht vom Staat) einen Abschluss verpasst bekomme und man dann nicht mehr an einer Punktzahl erkennen könne, wen man denn da vor sich habe.

Die Befürworter nennen neben den erwähnten Vorzügen „modularen“ Studierens die hohe Zahl scheiternder Examenskandidaten, denen nach dem zweiten Versuch nichts anderes übrig bleibt, als nach etwa sechs Jahren Studium irgendwo anders völlig von vorne anzufangen.

Damit reden die beiden kontrahierenden Parteien seit Jahren aneinander vorbei. Wie Herr Wiarda jetzt zu berichten weiß, schwindet mittlerweile der Widerstand der Reformgegner in der politischen Klasse, in der ja nicht gerade wenige die genannten zwei Examina vorweisen können – da braucht es keine Lobbyisten.

Was nun? Anderswo ist die Trennung zwischen universitärer Ausbildung nach Bologna und den  weiterhin hohen Voraussetzungen für die Berufszulassung schon lange vollzogen: In Großbritannien, Italien und in den USA beispielsweise fangen die frisch gebackenen Universitätsabsolventen für bar exam & Co. noch einmal ganz von vorne an, zu lernen.

Ob das sonderlich wünschenswert ist, bleibt fraglich. Und ob man die hohen Hürden für die Anwaltszulassung herabsetzen sollte, auch, Stichwort Qualitätssicherung. Dennoch ist es zu begrüßen, dass über den flächendeckenden LL.B. nachgedacht wird, denn auch wenn es, wie oft prophezeit, nur wenig Einsatzmöglichkeiten für diese neuen „Diplom-Juristen“ geben mag – dieser Abschluss ist immer noch besser als keiner.

„Ich habe mit der Lupe nach all den angeblich Taxi fahrenden Juristen gesucht. Gefunden habe ich sie nirgendwo.“

O-Ton Beate Merk, Justizministerin des Freistaates Bayern. Die sich mal eine neue Lupe zulegen sollte.

Du weißt, dass du an der BLS studierst, wenn…

  • … deine Vorlesung verlegt wird, weil sich im normalen Hörsaal Unternehmensberater treffen.
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  • … dir im Sommer in der Bib Leute ohne Schuhe entgegenkommen.
  • … und im Winter Kommilitonen Decken mitbringen.
    .
  • … du von der h.M. im Strafrecht eigentlich keine rechte Ahnung hast.
  • … oder du sogar glaubst, dass es so etwas eigentlich gar nicht gibt.
    .
  • … du den PC-Raum betrittst und dir klar wird, dass nur zwei von zwölf Computern funktionieren.
  • … und sich an diesen Computern zwei Kommilitonen gegenseitig Facebook-Nachrichten schreiben.
  • … die Uhr an diesen Computern die Uhrzeit in Peking angibt.
  • … und du Administratorrechte bräuchtest, um sie auf mitteleuropäische Zeit zurückzuändern.
    .
  • …das Essen in der Mensa auch mal mehr als fünf Euro pro Gericht kostet.
  • … und das Studierendenwerk im Sommer ein Open-Air-BBQ organisiert.
    .
  • …es reservierte Parkplätze gibt, damit es die Kita-Mamas bequem haben.

Wer kennt noch mehr sichere Hinweise?

Soeben erreicht uns live aus Washington D.C. ein Bericht unseres USA-Korrespondenten von der Vereidigung Barack Obamas. In Stereo!

Potty parity in Dixieland

Die Inauguration von Barack Obama hat nicht nur die USA, sondern die ganze Welt in ihren Bann gezogen. Dass jedoch auch eine politische Zeitenwende Ur-Bedürfnisse nicht beseitigt, konnte man daran erkennen, dass schon Tage vor der Inauguration die größte jemals in den USA geschaffene Mobiltoilettenparade vorbereitet wurde.
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Doch auch Dixieland muss diskriminierungsfrei bleiben! Und daher wurde das Inauguration Committee tatsächlich angemahnt, „potty parity“ zu schaffen.

Potty Parity
Potty Parity

Aus erster Hand kann ich berichten: Es gab insbesondere kurz nach der Vereidigung kürzere Schlangen, aber im Großen und Ganzen dürfte sich die Wartezeit – für beide Geschlechter – in Grenzen gehalten haben. Nach meinen Stichproben waren alle Dixieklos sowohl für Männlein als auch für Weiblein zugänglich. Die Innenansicht eines jeden der Klos dürfte indessen diejenigen unter uns Menschenkindern besser gestellt hat, die auch problemlos im Stehen… aber für eine Diskriminierung im Rechtssinn soll das wohl nicht reichen. Oder etwa doch?

Die 1200 Studierenden in Witten/Herdecke können aufatmen. Neue alte Förderer, darunter die Software AG Stiftung und die Unternehmensberatung Droege International, die zum Teil angeblich ursprünglich von der Hochschule als Unterstützer zurückgewiesen worden waren, sorgten für eine Stabilisierung der insolvenzgefährdeten Universität.

Zuerst hieß es, die katholische Kirche sei auch mit im Boot, was jedoch dementiert wurde: Vielmehr steigen mehrere  katholische Krankenhäuser indirekt bei der Universität ein: Zwar hat die medizinische Fakultät antroposophische  und damit nicht gerade katholische Wurzeln, ihre Studenten werden jedoch auch in katholischen Krankenhäusern ausgebildet.

Jetzt ist auch das Land Nordrhein-Westfalen wieder dabei und fördert mit jährlich mehreren Millionen Euro.

Dafür muss jetzt aber gespart werden: Die Studiengebühren werden drastisch erhöht (von  insgesamt 32 000 auf 41 000 Euro für ein Medizinstudium), Verwaltungsstellen eingespart und Fakultäten zusammengelegt.

Möge dieser Kelch an uns vorüber gehen.

  • Giovanni di Lorenzo hat im Auditorium geraucht. Schmidt nicht (nur Schnupftabak).
  • Harald Schmidt war da! (Okay, auch Henry Kissinger, Valéry Giscard d’Estaing und Richard von Weizsäcker)
  • Auch eine Kommilitonin war unter den Rednern.

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