Rom war ganz nett. First things first: Das Nachtleben ist cool, in der Erasmus-Community habe ich jeden Tag vier Sprachen gesprochen, man lernt sehr viele verrückte Leute kennen. Palmen auf dem Campus und ein leckeres italienisches Dreigängemenü in der Mensa für zwei Euro lassen sich hören. Die Profs waren gut und engagiert (ja, ich war in den Vorlesungen).

Minuspunkte: Eine Bibliothek, die den Namen nicht verdient; eine Verwaltung, die die schlimmsten Alpträume aus Deutschland in den Schatten stellt und natürlich das berühmte römische Großstadtchaos, welches nach einer kurzen Eingewöhnungszeit aber zum Pluspunkt wird.

Meine Uni, die Libera Università Guido Carli (LUISS) ist neben der Bocconi in Mailand die beste private Hochschule Italiens. Studieren kann man BWL, VWL/Politik und Jura. Die Studiengebühren sind mit denen der BLS vergleichbar.

Da das hier ja ein Blawg ist oder zumindest sein soll: Jura in Italien ist sehr strange. Das Studium besteht aus fünf Jahren Studium, welches mit einer universitären studienbegleitenden Prüfung plus Abschlussarbeit abschließt (je nach Ruf der Uni wird einem dieser Abschluss mehr oder weniger hinterhergeworfen) und zwei Jahren Referendariat, welches mit dem Staatsexamen für die Anwaltszulassung abschließt. Wer Notar oder Richter werden will, muss ein separates Staatsexamen bestehen. Dafür hängt man nochmal ein Jahr reine Vorbereitungszeit dran – wobei es nicht ungewöhnlich ist, es erst beim fünften Anlauf zu schaffen. Von gekauften Noten und Abschlüssen habe ich gehört, aber persönlich nichts mitbekommen (grundsätzlich scheinen Notarsitze jedoch vererbt zu werden).

In der Uni gibt es Frontalvorlesungen und nur manchmal auch Kleingruppen/AGs. Dabei gilt es, die Verlautbarungen des Profs verbatim mitzuschreiben und das empfohlene Lehrbuch auswendig (!) zu lernen, den nur dies ist Inhalt der mündlichen (!) Prüfung. Innerhalb einer Prüfungsphase kann man zwei- bis dreimal antreten. Schriftliche Prüfungen gibt es nicht, abgefragt wird die graue Theorie („Welche Vorsatzformen gibt es?“, „Welche Kompetenzen hat die außerordentliche Hauptversammlung der Aktiengesellschaft?“), Fälle kommen nicht vor. Deswegen schaut während der Vorlesung kaum ein Student in das Gesetz (viele haben es gar nicht dabei) sondern schreiben nonstop mit.

Trivia:
A, B und C heißen auf italienisch Tizio, Caio und Sempronio.
– Italien hat das deutsche AktG und den StGB-AT teilweise wörtlich abgeschrieben.

Ansonsten verweise ich auf JUS 10/2003.

Ansonsten…?

  • bestes Eis: in der Via dei Pettinari am Ponte Sisto
  • beste Pizza: in der Via dei Baullari
  • beste Bar: Cuccagna Pub in der Via Cuccagna und Scholars‘ Lounge in der Via del Plebiscito
  • bester Club: Egal wo, Hauptsache, es sind viele Spanier und/oder Niederländer/Belgier da, die sorgen überall für gute Stimmung.
  • beste Aussicht: Piazza Garibaldi oder oben auf dem Palatin Richtung Vatikan und Forum Romanum
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