Es ist wieder die Zeit, in der man als BLSler E-Mails von Freunden von Freunden usw. bekommt, die über an ein Studium an dieser wunderbaren Hochschule nachdenken. Sie wollen wissen, wie es hier so ist, ob Jura überhaupt das Richtige für sie ist und wie man durch den Auswahltest kommt.

Aus diesem Grund habe ich diesen Eintrag samt google-tauglichem Titel kreiert, um mal den Versuch einer kleinen Übersicht zu starten.

Erste Anlaufstelle ist tatsächlich das Bewerberportal. Denn da gibt es eine Menge Infos:

  • Informationen über das Studium, seine Inhalte und die zu erreichenden Abschlüsse
  • Erfahrungsberichte von Studenten und Professoren
  • Übersichten zu den Finanzierungsmöglichkeiten
  • Details zum Auswahlverfahren samt Beispielaufgaben
  • die Telefonnummer der Studentenhotline
  • ein Forum für Fragen

Gar nicht schlecht, wenn man sich das mal anschaut. Besonders cool finde ich von der Idee her die Hotline. Das Forum ist wirklich sehr, sehr amüsant, weil die potentiellen Bewerber da wirklich alles fragen – ich wollte schon lange mal ein best of machen. Eine StudiVZ-Gruppe der Bewerber gibt es auch schon.

Dennoch wollen es viele genauer und/oder persönlicher wissen. Ich habe dafür einmal meine Antwort-Mails zusammengefasst: Hier also meine FAQ, supergenau und – ich bitte deswegen um Rücksicht – ganz persönlich. Wer mir Weißmalerei vorwerfen möchte, darf das in den Kommentaren gerne tun, um so besser für ein ausgewogenes Bild.

Abschluss: Das Studium an der Bucerius Law School führt zur Ersten Juristischen Prüfung („erstes Staatsexamen“) am Justizprüfungsamt Hamburg. Der Abschluss ist also identisch mit dem der Universität Hamburg. Nach dem dritten Jahr wird „unterwegs“ ein Bachelor (LL.B., Legum Baccalaureus) verliehen, der jedoch in Deutschland noch nicht als berufsqualifizierender Abschluss anerkannt ist. Nach dem Examen kann man überall in Deutschland zum Referendariat antreten, das mit dem zweiten Staatsexamen abschließt. Danach kann man als Richter oder Anwalt tätig werden.

Aussprache: Es heißt [buˈtserius], Gerd Bucerius war Jurist, Verleger der Zeit, Gründer der gleichnamigen Stiftung und deutscher Bundestagsabgeordneter.

Ausstattung: Der wunderschöne Campus liegt im ehemaligen botanischen Garten, die Gebäude sind neu oder renoviert, die Hörsäle sind gut ausgestattet, die Bib hat 24 Stunden geöffnet und ist sehr gut sortiert, die Mensa ist gut und die Mitarbeiter sind ausgesprochen hilfsbereit. Natürlich beschweren wir uns als gute Juristen trotzdem ständig – dieser Blog ist ein gutes Beispiel dafür – aber eigentlich darf man nicht meckern.

Auswahlverfahren: Das Auswahlverfahren liegt bei mir mittlerweile fünf Jahre zurück, deswegen sind die folgenden Informationen mit Vorsicht zu genießen: Beim schriftlichen Test geht es viel um logisches Denken, da ist es wichtig, einen kühlen Kopf zu bewahren (man darf sich von seinen Mitbewerbern in Anzug und Krawatte nicht irritieren lassen, die meisten von denen sieht man komischerweise beim mündlichen Test nicht wieder) und sich die Zeit gut einzuteilen (eine Tugend, die fürs Jurastudium sowieso wichtig ist). Es ist sehr empfehlenswert, sich den Beispieltest vorher mal anzuschauen.
Anschließend muss man einen Aufsatz zu einem gesellschaftspolitischen Thema verfassen – da geht aus meiner Sicht vor Allem um eine gute Gliederung, schöne Formulierungen und kreative Argumente. Hier habe ich nur die geforderte Mindestpunktzahl geschafft, vielleicht bin ich es also nicht ganz richtig angegangen.
Der mündliche Test ein oder zwei Tage später ist eine spannende Erfahrung. Man wird in Einzelinterviews auf Belastbarkeit getestet („Was war ihr größter Fehler?“) und soll zeigen, dass man auch bei völliger Ahnungslosigkeit eine sinnvolle Argumentationsstruktur aufbauen kann („Wie viele weiße Socken wurden 2008 in Frankreich verkauft?“). Im Referat soll man Präsentationsfähigkeiten beweisen und in Gruppendiskussionen Kreativität und Teamgeist zeigen. Beim Referatsthema kann man seiner Fantasie wirklich freien Lauf lassen, es sollte jedoch schon vorher fertig ausgearbeitet sein.
Das klingt alles ziemlich allgemein, aber ich glaube nicht, dass man sich auf die Tests besonders gut vorbereiten kann: Ich empfehle, den Beispieltest zu lösen und in den Tagen vorher ein paar Mal in eine Tageszeitung zu schauen. Am wichtigsten ist es, gut ausgeschlafen zu sein und sich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen.
Siehe auch → Englisch.

Englisch: Es gibt hier eine ganze Reihe von Pflichtnebenfächern auf Englisch, man kommt aber auch ganz gut mit, wenn man Englisch in der Schule abgewählt hat – Rechtsenglisch ist sowieso nochmal was ganz Neues. Wichtig ist halt, dass man die Sprachtest-Hürde schafft. Tipp: englisches Fernsehen schauen/Radio hören/Zeitung lesen!

Finanzierung: Das Studium kostet 11 100 € im Jahr, BAföG-Empfänger zahlen nur die Hälfte. Neben dem klassischen Studienkredit gibt es die Möglichkeit des so genannten Umgekehrten Generationenvertrags nach dem Motto „jetzt studieren, später zahlen“. Etwa die Hälfte der Studenten sind in einem Begabtenförderungswerk. Ich finde es sehr schön, dass ich von meinen Kommilitonen nicht weiß, wie sie ihr Studium finanzieren – das ist einfach auf dem Campus kein Thema.

Freizeit: Keine Angst, neben dem Studium bleibt genug Freizeit, wenn man sie sich nimmt.  Natürlich ist das Studium hier intensiv – innerhalb von vier Jahren inklusive Auslandsstudium Examen zu machen, ist sportlich! – aber ich kann mich über mangelnde Freizeit nicht beschweren.
An der Hochschule selbst gibt es eine Menge studentischer Initiativen: Sport, Musik und Politik sind hier die Hauptschwerpunkte. Da alle Studenten Mitglied im Studierendenwerk Hamburg sind, kann man aber auch auf das breite Angebot der Universität zurückgreifen.
Siehe auch → Party.

Hamburg: Hamburg ist eine wunderbare Stadt. Dass ich so etwas mal sagen würde, hätte ich mir vor meiner Ankunft nicht träumen lassen. Die Großstadt hat man alles, was das Herz begehrt: Hamburg bietet auf der einen Seite Ruhe, viel Grün und Wasser, auf der anderen Seite sorgen Kiez, Schanzenviertel und Hafen für genug Trubel, wenn einem danach ist.  Die Hochschule liegt angenehm im Zentrum und in Uninähe. Die Studenten kommen von überall her, der Anteil der Hamburger Kommilitonen liegt bei vielleicht 10 %.

Inhalte: An der Bucerius Law School steht das klassische deutsche Jurastudium absolut im Vordergrund. Das Ziel „Staatsexamen nach vier Jahren“ ist ehrgeizig genug. Wirtschaftswissenschaften, angloamerikanisches Recht und Studium generale werden auch angeboten, bilden aber als Nebenfächer nur einen geringen Teil des Programms.

Jura: Jura ist ein gutes Studium für Leute, die vielseitig interessiert sind – böse ausgedrückt „für die, die nicht so genau wissen, was sie später mal machen wollen“. Die große Anzahl der Absolventen ergreift tatsächlich einen der juristischen Berufe (Anwalt, Richter, Unternehmensanwalt, Verwaltungsjurist), was aber schon eine ziemlich große Bandbreite an Aufgaben ist. Man sagt, dass es drei Typen von Jurastudenten gibt: Weltretter („Ich will mal zur UNO“), Karrieretypen („Mein Papa hat ’ne Kanzlei“) und die, die es nicht so genau wissen („erst mal Examen machen“). Die Existenz dieses Blogs deutet natürlich darauf hin, dass der Autor zu letzteren gehört.

Kommilitonen: Die Leute hier sind nett und intelligent, und es ist eine neue und angenehme Erfahrung, wenn es ganz normal ist, dass fast alle um dich herum schon mal im Ausland waren, irgendwo Stipendiat sind und nebenher noch Hockey und Cello spielen.

Lehre: Die Lehre an der Bucerius Law School ist ausgezeichnet. Die Professoren und wissenschaftlichen Mitarbeiter sind engagiert und die Vorlesungen und Kleingruppen mit 100 bzw. 20 Studierenden angenehm klein. Auch im Bereich der Forschung braucht sich die Hochschule nicht zu verstecken, die Lehrstuhlinhaber haben alle Rang und Namen.

Party: In →Hamburg kann man ja bekanntlich sehr gut feiern und auch die BLS-Partys können sich sehen lassen. Hier in der Großstadt findet das Partyleben besonders für die etwas älteren Studenten nicht mehr ausschließlich über die Hochschule statt. Im ersten Jahr, wenn alle noch neu sind, bleibt man da noch viel mehr unter sich.

Snobs: Das Studium ist nicht gerade billig. Trotz vielfältiger →Finanzierungshilfen habe ich den Eindruck, dass hier vor allem Kinder aus Akademikerfamilien studieren, zu einem kleinen Teil sind die Eltern auch richtig wohlhabend. Dennoch ist die Quote derer, die die rosa Polohemden mit hochgestellten Kragen nicht nur anziehen, sondern auch entsprechend denken, angenehm niedrig; teilweise habe ich von staatlichen Fakultäten Schlimmeres gehört.

Spirit: Auf jeden Fall gibt es an der BLS auch ein großes Zusammengehörigkeitsgefühl unter den Studenten, meinetwegen nennen wir es „Spirit“. Viele Studenten verbringen auch einen Teil ihrer →Freizeit auf dem Campus, es gibt eine Menge studentischer Initiativen. Von Rivalität merkt man hier nichts, man kann sich ja auch gegenseitig nichts wegnehmen, auf dem Weg zum Staatsexamen muss man sowieso zusammenarbeiten, sonst kommt man nicht weit.

Studium: Das Studium ist von Anfang an anspruchsvoll. Durch Kleingruppen und Klausuren ab dem ersten Trimester wird man ordentlich auf Trab gehalten. Man sagt, dass das Studium an der staatlichen Universität zwar am Anfang etwas lockerer ist, spätestens vor dem Examen muss man da aber genauso ackern wie hier. →Jura zu studieren bedeutet, viel Zeit mit Zuhören, Lesen und Schreiben zu verbringen. Dass die Hochschule sehr gut →ausgestattet ist, ist dabei ein großer Vorteil – nicht umsonst nennen wir die Bibliothek unser „Wohnzimmer“.
Ich habe den Eindruck, dass an der BLS von Anfang an viel Wert darauf gelegt wird, dass die Studenten größere Zusammenhänge verstehen. Die Professoren machen in ihre Vorlesungen oft Ausflüge in andere Rechtsgebiete und fragen uns oft nach dem „warum“. Ich habe nie an einer staatlichen Universität studiert und kann deswegen schlecht über die Unterschiede zur staatlichen Juristenausbildung reden, meine Professoren betonen aber oft (vielleicht zu oft), dass bei uns die Vorlesungen von Anfang an anspruchsvoller und breiter angelegt seien als an der Universität.

Vorurteile: Natürlich werden wir als einzige private Hochschule für Rechtswissenschaft in Deutschland kritisch beäugt, und unter den Studenten an den staatlichen Unis gibt es teilweise krasse Vorurteile gegen uns. Ich habe  aber das Gefühl, dass da ein gerüttelt Maß Projektion dabei ist.

Zum Schluss: Nicht so toll ist, dass das Studium hier nicht gerade billig ist, dass es hier halt doch ein paar →Snobs gibt und dass ein Jurastudium nicht zuletzt eine Menge Arbeit bedeutet. Ich mag meine Hochschule jedoch sehr, bereue die Entscheidung auf keinen Fall – vor allem wegen der vielen interessanten Menschen, die mit mir studieren.

Bewerbungsschluss ist am 15. Mai.

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