Praktikanten der BLS genießen in Großkanzleikreisen einen zweifelhaften Ruf – teilweise zu Recht. Ich möchte in der nächsten Zeit gern ein paar von Geschichten dazu bloggen – selbst erlebte und auch nur über fünf Ecken erzählte. (Dazu freue ich mich natürlich sehr über Post an bucblog@gmx.de!)

Anfangen möchte ich mit einer Begebenheit aus den mythischen Anfangsjahren der Hochschule, die man sich heute noch zwischen Tür und Angel erzählt. Ich dachte zuerst, sie sei kalter Kaffee, offenbar kennen sie aber doch nicht alle.

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Es ist August und die Sonne brennt heiß über der Frankfurter Innenstadt. Dr. Wilbur Dealmacher, LL.M., ist 34 Jahre alt und Associate im Frankfurter Büro der Großkanzlei Freshlutz Gleißstieg Linkhurst, wo er in der M&A-Abteilung des Seniorpartners Dr. Heinrich Handicap vornehmlich Unternehmensübernahmen betreut. Er hat an der Universität Bayreuth und am Kammergericht Berlin zwei Prädikatsexamina erworben und trotz des Sommerlochs steckt er wegen der anstehenden Übernahme eines fränkischen Automobilzulieferers durch ein französisches Unternehmen bis über beide Ohren in Arbeit.

Hubertus von Großfeldt, stud. iur. ist BLS-Student des zweiten Jahrgangs. Er hat gerade sein drittes Trimester hinter sich und absolviert nun sein Einführungspraktikum bei Freshlutz. Heute ist sein zweiter Arbeitstag und Hubertus surft gerade Kaffee schlürfend an seinem Computer im Praktikantenzimmer auf Spiegel Online, als Dr. Dealmacher die Szene betritt.

Dr. Dealmacher: Hallo Herr, äh…

Hubertus: sieht vom Bildschirm auf Von Großfeldt.

Dr. Dealmacher: Ja, Entschuldigung. Ich hätte da eine Akte für sie. Würden sie sich diesen Anstellungsvertrag hier einmal anschauen? Ich müsste wissen, ob die Abfindungsvereinbarung wirksam ist.

Hubertus: Ist das ein Auftrag von Herrn Dr. Handicap? Ich dachte, er sei auf dem Golfplatz.

Dr. Dealmacher: Wie meinen sie das? Ich bin gerade an diesem Fall und dachte, das wäre was für sie, ist allgemeines Vertragsrecht – das hatten sie doch schon, oder?

Hubertus: Hm, ich glaube, ich warte besser, bis Herr Handicap wieder da ist.

Dr. Dealmacher: Wie bitte?

Hubertus: Naja, eigentlich nehme ich ja nur Aufträge von Partnern an…

Ich habe keine Ahnung, ob die Geschichte auch nur ansatzweise stimmt. Sie muss auf jeden Fall damit geendet haben, dass Herr Handicap nach seiner Rückkehr vom Golfplatz entgeistert in der Hochschule anrief, um ihrem Geschäftsführer den Marsch zu blasen. Was neben anderen, ähnlich peinlichen Begebenheiten (von denen an dieser Stelle noch zu berichten sein wird) zur Folge hatte, dass alle Studenten der folgenden Jahrgänge vor ihrem ersten Praktikum eine „Informationsveranstaltung“ besuchen mussten, in der sie ein paar dieser Geschichten als „lehrreiche Negativbeispiele“ geschildert bekamen.

So, und jetzt bin ich gespannt auf eure Praktikantengeschichten!

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