Mein Kommilitone K. absolvierte im letzten Sommer ein Praktikum im Berliner Büro der Sozietät Stiefenlutz Wessing & Overy.

Anfang August fand der Praktikantentag der Kanzlei in Frankfurt statt. So wurde K., wie alle anderen Praktikanten aus den Büros in Deutschland und den umliegenden Ländern auch, auf Kosten der Kanzlei nach Hessen eingeladen — mit Lufthansa-Flug, Taxi, Viersternehotel und allem Drum und Dran.

Auf dem Programm standen Vorträge und Workshops über Kartellrecht, alternative dispute resolution, ein gerüttelt Maß Eigenwerbung der Kanzlei und natürlich jede Menge socialising — alle Nase lang leckeres Essen, Smalltalk mit Partnern und Associates und am Abend natürlich Cocktails in einem angesagten beach club.

Am Samstagmorgen ging es zurück nach Hause, um am Montag wieder gestärkt und motiviert zur Arbeit zu erscheinen — so etwa zehn Stunden am Tag, natürlich bei entsprechender Bezahlung — Stiefenlutz liegt mit einer monatlichen Vergütung im mittleren dreistelligen Bereich noch nicht Mal an der Spitze im Vergleich mit anderen Großkanzleien.

Ach ja: Habe ich erwähnt, wie lange K. schon studiert hatte? Zwei Semester. Zwei!

Polemisch ausgedrückt: Bei dem Bohei, das die Großbuddhisten um uns veranstalten (buc.blog berichtete hier und hier) beschwert sich noch irgendjemand darüber, wir Bucerianer seien dekadent oder arrogant?

K. war jedenfalls ziemlich beeindruckt und erzählte mir begeistert — die Rechnung von Stiefenlutz war aufgegangen.

Der Vollständigkeit halber (von wegen ausgewogene Berichterstattung und so) noch einen Satz zum Thema „Neiddebatte“: Ich selbst war während dieser Zeit bei Vater Staat angestellt. Mit vernünftigen Arbeitszeiten, ohne Vergütung und ohne Cocktails auf Rechnung des Hauses. War aber auch ganz nett.

Bohei.

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