Die Juristerei ist eine Geisteswissenschaft. Soweit, so gut. Aber mir ist schon lange klar, dass Literatur-, Sprach- und Gesellschaftswissenschaftler mit uns nun wirklich nichts zu tun haben wollen. Damit geht es uns ähnlich wie der „Hilfswissenschaft“ Mathematik bei den Naturwissenschaften.

Was ist das Problem? Nun, ein Jurist hat die Aufgabe, ein Gesetz zu verstehen. Aber wer schreibt die Gesetze? Oh,  stimmt ja, das machen auch Juristen. Eine Wissenschaft, die sich ihren Forschungsgegenstand selbst erschaffen hat – eine nicht gerade ruhmreiche Einsicht.

Also, es geht darum, Gesetze auslegen zu können. Das weiß aber keiner. Neben dem Vorurteil, dass man das halbe Jurastudium damit verbringt, Paragraphen auswendig zu lernen, ist auch die Ansicht sehr verbreitet, man müsse fundierte Kentnisse der lateinischen Sprache mitbringen. Zwar gibt es ein paar unabdingbare Sprüche, die man ab und zu fallen lassen muss, aber die hat jeder schnell auf dem Kasten. Was muss man also wirklich lernen? Definitionen, und, darum geht es ja eigentlich, die Systematik hinter dem Ganzen.

Gar nicht so einfach. Wie gut, dass es schon ein paar Generationen von Jurastudenten vor mir gab, die sich Mittel und Wege ausgedacht haben, jede Menge „System“ ins Gehirn zu kloppen. Dabei sind eine Reihe schöner Merksätze und Eselsbrücken entstanden. Die meisten sind einfach nur hirnentleert, andere dazu auch noch leicht anzüglich:

  1. Den ersten Merksatz lernt man schon in der allerersten BGB-Kleingruppe: „Wer will was von wem woraus?“ – Danach vergisst man nie wieder die vier Bestandteile eines zivilrechtlichen Obersatzes.
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  2. Wer den folgenden Merksatz kennt, muss nie wieder grübeln, was im Zivil- und Strafrecht unter einer Verfügung zu verstehen ist:
    Nach der Hochzeitsfeier hebt der Bräutigam die Braut auf, trägt sie über die Schwelle, worauf diese im Bett von ihm belastet und – wer weiß? – vielleicht sogar inhaltlich verändert wird.

    Und genau das tun Verfügungen mit Rechten auch: Aufheben, übertragen, belasten und inhaltlich verändern.
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  3. Wann gilt im BGB die eigenübliche Sorgfalt (§ 277 BGB)? Das beantwortet die folgende Sentenz:
    Der Vater begattet die Gesellschafterin, die den Vorerben unentgeltlich verwahrt.
    Die Haftungserleichterung genießen also Eltern (§ 1664 I), Ehegatten (§ 1359), BGB-Gesellschafter (§ 708), Vorerben (§ 2131), und unentgeltliche Verwahrer (§ 690).
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  4. Sehr beliebt ist auf die Definition des Verwaltungsaktsklassischen Grundrechtseingriffs, der streng nach der Formel „FURZ“ natürlich finales, unmittelbares hoheitliches Handeln mit Rechtswirkung nach außen und Durchsetzbarkeit mit Zwang voraussetzt. Steht aber auch alles in § 3035 VwVfG.
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  5. Nach der Formel „SPAUZ“ sind die Beweismittel im Zivilprozess natürlich das Sachverständigengutachten, die Parteivernehmung, der Augenschein, die Urkunde und der Zeuge.
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  6. Und, die italophile Ausrichtung dieses Blogs wird mittlerweile kein Geheimnis mehr sein, die Grundprinzipien des Sachenrechts sind natürlich in der PASTA zu finden: Publizität, Absolutheit, Spezialität, Typenzwang (a.A.: Trennung), Abstraktion.

Welche juristischen Merksätze und Eselsbrücken fehlen hier?

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