Im Rahmen der Vortragsreihe „Intellectual Property and Media Law“ hielt heute Prof. Michael W. Carroll (American University, Washington D.C.), bekannt durch seine Rolle als Mitbegründer und Fürsprecher der Creative Commons Organisation, deren Lizenzverträgen auch dieser Blog unterliegt, einen Vortrag zum Thema „How much of an incentive is it really? – The Effect of Copyright on Creativity“. Ebenfalls zu Gast war  Niva Elkin-Koren von University of Haifa.

Nach dem Klick eine kurze Zusammenfassung für Interessierte!

Für Carroll ist das Copyright, ein Begriff unter den er neben den ökonomischen auch alle moralischen Vorrechte des Rechteinhabers fasst, vor allem eine Reaktion auf die Erfindung des Buchdruckes, die sich während der Renaissance entwickelte. Herausgeber mussten ihre Investitionen vor Konkurrenten schützen, sodass das ursprüngliche Copyright vor allem handels- und wettbewerbsrechtlichen Charakter hatte.  Der Weg  zu einem Urheberrecht, im Sinne eines Freiheitsrechtes des Autoren sein geistiges Eigentum zu schützen, zu verwerten oder eben auch zu verschenken, wurde erst in der Moderne beschritten.

Tausende Jahre Kulturgeschichte liefen derweil laut Carroll auch ohne Copyright ganz gut ab. Teilweise könne eine ausufernde Gesetzgebung den kulturellen Dialog sogar lähmen. Eine Erfolgsgeschichte wie die von Goethes „Faust“, der wohl unter der Regie von Shakespeare-Opponent Christopher Marlowe erstmals die Bühne betrat, dann vom Weimarer Geheimrat einigermaßen plagiiert wurde und heute in tausendfacher Variation als kultureller Archetypus tradiert ist, wäre mit grenzenloser Copyright-Litigation (z.B. ohne Verjährung von Rechten) kaum möglich gewesen.

Dies kann man leicht als Plädoyer zur Ablehnung von Copyright als solchem missverstehen, was von Teilen des Publikums auch prompt getan wurde.  Carroll versteht Copyright aber vielmehr als notwendige Spielregeln im kulturellen Diskurs. Die aktuelle Regelungssituation  verkenne jedoch u.a. aufgrund ihrer Verankerung im überkommenen Verständnis der vergangenen, analogen Print-Epoche die neue digitale Realität, die mit dem Erfolgszug des Internets etabliert wurde. Interessen und Motivationen der Diskursteilnehmer hätten sich diversifiziert und würden besonders im Bereich des User-Generated-Contents (UGC) in den sozialen Netzwerken (flickR, Youtube, Facebook & Co) nicht von den bisherigen Regelungen erfasst. Der einstmals diskret skalierte Einschätzungsmaßstab zwischen professionellen und amateurhaftem Inhalt sei einer stetigen Skala gewichen, was für zusätzlichen Zündstoff sorge.

Auf die abschließende Frage hin, was er angesichts einer ihm hypothetisch zur Verfügung stehenden unbegrenzten Gesetzgebungsbefugnis als Erstes tun würde um die Situation zu verbessern, antwortete Carroll, dass der gesamte Copyright-Bereich von mehr Formalien durchdrungen werden sollte. Es müsse aufhören, dass der Gesetzgeber einen Rechteinhaber automatisch mit einem Füllhorn von Rechten überschütte. Vielmehr müsse ein Autor seinen Urheberrechtsanspruch amtlich anmelden und jeweils verlängern, so wie es im anglo-amerikanischen Rechtssystem lange Zeit Brauch war. Es habe sich gezeigt, dass viele Autoren nach einiger Zeit von sich aus auf Schutz verzichten, während es den schutzbedürftigen Teilnehmern erleichtert würde, ihre Rechte zu verwerten: Interessenten einer Lizenz hätten eine transparente und zentrale Anlaufstelle für ihre Anfragen. Derweil sei es heute mangels Erreichbarkeit der Autoren quasi unmöglich die Lizenen zur Ausstrahlung von z.B. 100 You-Tube Videos zu erwerben.

Einstieg und Ausstieg aus dem Copyright müssten laut Carroll also einfacher werden, die Creative Commons Lizenzen seien ein Schritt in die richtige Richtung.

Niva Elkin-Koren stimmte ihrem Vorredner größtenteils zu und ging insbesondere auf Entwicklungen und Prozesse in sozialen Netzwerken ein. Als Antwort auf die oben genannte Schlussfrage forderte sie mehr Ausnahmen für das bereits existierende Copyright ein, besonders im Bereich der Bildung. Das Recht des Autors müsse in angemessenen Verhältnis zu dem konkurrierenden Recht auf Zugang zu Kultur und Bildung stehen. Es sei etwa nicht einzusehen, wieso Universitäten soviel Geld für Fachzeitschriften bezahlen müssten: Die dort veröffentlichenden Autoren seien größtenteils ebenfalls Professoren und wissenschaftliche Mitarbeiter, deren Arbeit, Wissensstand und Mitarbeiterstab ja gerade von den Hochschulen und damit vom Steuerzahler finanziert würden.  Dies käme einer Doppelbezahlung gleich. Für einige anwesende Betroffene, wie etwa Prof. Dr. Karsten Thorn, der als Moderator durch die Veranstaltung führte, schien diese Betrachtungsweise derweil weniger überzeugend zu sein.

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