Wenn ich eines nach 10 Wochen juristischen Studiums feststellen kann, dann ist das die physische Belastung die mit dem handschriftlichen Verfassen von Klausuren einhergeht: Meine zarten Digital-Native-Hände sind völlig zerschunden. „Erosionsprozesse und Verweichlichung!“, würde mir ein bekannter Strafrechtsprofessor vielleicht mit Recht vorhalten, trotzdem fordere ich hiermit: Weg mit Pergament und Feder, Klausuren werden ab jetzt getippt! Und das in bester Gesellschaft, wie ein Artikel im Jura Magazin und ein entsprechendes Thesenpapier von Prof. Dr. Gerhard Struck (Universität Hamburg) zeigen, auch wenn ich zur Schonung aller Beteiligten (noch) nicht soweit gehen würde, wie es dort getan wird.

Zu den Gründen nach dem Klick!

Zunächst muss klar gemacht werden, dass eine solche Schriftrechtsreform sowohl den Studenten als auch den Korrigierenden zum Vorteil gereicht. Letztere müssen sich nicht mehr durch runenähnliche Zeichenhäufungen quälen und sparen so Zeit und Nerven. Bei den Studenten wird besonders jene Gruppe entlastet, die schon zu Grundschulzeiten die Schönschrift-Note mit dem Vier-Gewinnt-Grundsatz bestritten. Niemand wird abstreiten können, dass eine sanft geschwungene Schrift, wohlmöglich mit feiner Parfümierung des Klausurpapiers kombiniert, die Glaubwürdigkeit des Werkes erhöht und so auch den Korrektor positiv beeinflusst. Meine eher obskure Handschrift etwa, gehetzt und mit letzter Kraft dahingepinselt, erschafft dahingegen von Anfang an ein Würdegefälle zwischen mir und dem Leser, den Inhalt etwa so seriös und glaubhaft  transportierend, wie die alkholika-geschwängerte Reststimme eines Greises der nächtens am Berliner Ostbahnhof den Weltuntergang verkündet. Vor den Richtern „Arial“ und „Times New Roman“ sind dagegen alle Menschen gleich.

„Laptops, da ist ja dem Betrug Tür und Tor geöffnet!“

Deswegen schlage ich der Einfachheit halber vor, dass die Laptops von den Universitäten angeschafft werden. Und zwar einzig und allein für diesen Zweck, damit nicht ominöse Anti-Viren-Werbe-Pop-Ups, Trojaner oder andere Schadsoftware den Klausurengenuss beeinträchtigen können. Es wäre ein Leichtes die heimliche Installation von UMTS-Antennen, WLAN-Sticks und Mobiltelefonen (Tethering) auszuschließen. Obiter sei dazu auf Prof. Struck verwiesen, der bezweifelt, dass die Zuhilfenahme von Hilfsmitteln wie etwa Datenbanken überhaupt schlimm wären.

„Wer soll das bezahlen, wer hat soviel Geld?(vgl. Schmitz)

Da die Geräte nur geringsten Anforderungen genügen müssten – je nach Stromversorgungslage ist eigentlich nur der Akkumulator wichtig – bewegt man sich hier im untersten Preisbereich. Die Nutzungsbeschränkung auf die Klausur erhöht außerdem die Lebenszeit der Geräte weit über die normale Spanne hinaus. Besonders intelligent wäre ein gemeinsames Vorgehen z.B. der KMK, bei entsprechend hoher Stückzahl ließen große Hersteller wohl über eine Sonderanfertigung eines an die Anforderungen angepassten Modells mit sich reden. Je nach Auslastung der jeweiligen IT-Abteilungen kämen noch Mitarbeiterkosten für Wartung und Verwaltung dazu. Um die politische Unabhängigkeit des Blogs nicht zu gefährden verzichte ich auf Bemerkungen dazu, was sonst so im Moment mit größeren Steuergeldmengen passiert ;-)

Jedenfalls können Behandlungskosten für Sehenscheidenentzündungen gespart werden!

„Der Computer ist plötzlich abgestürzt und alles war weg!“

Obige Aussage ist der Hausaufgaben verschlingende Hund der Generation Ipod. Mittlerweile sollten aber selbst gutgläubige Oberstudienräte darauf nicht mehr herreinfallen; im Jahrtausend nach Windows 98 verschwinden Dateien, soweit gespeichert, nicht einfach so und  ein Betriebssystem stürzt bei artgerechter Haltung auch nicht mehr ab. Selbst der schlimmste anzunehmende Unfall, ein eher unwahrscheinlicher Festplattencrash, macht die Daten nicht zwangsläufig hinfällig. Das Speichern nehmen moderne Textverarbeitungsprogramme dem vergesslichen Benutzer mittlerweile auch automatisch ab.

Wer mag kann ja von Hand weitermachen. ;-)

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