Januar 2010


UPDATE: Mittlerweile hat es auch Richter Ballmann erwischt.

An der BLS wird der gesamte Webverkehr mit einem sog. „echten Webcontentfilter“ gefiltert, der sich von einem unechten insofern unterscheidet, dass er nicht nur Webseiten von einer stetig aktualisierten schwarzen Liste blockt, sondern sich daran macht mittels verschiedener Verfahren (z.B. Auszählen von Schlagworten) zu entscheiden, was zulässiger Inhalt ist und was nicht.

Die Ergebnisse sind erwartungsgemäß aberwitzig. Bezeichnend ist beispielsweise, dass ausgerechnet das Gutenbergprojekt (hier z.B. Kafkas Prozeß) Opfer dieser Filterung ist: Der Vater von Informationsfreiheit und Demokratisierung von Wissen trifft auf die „Grenze für gewichtete Worte“.

Aber auch Fachrecherchen, etwa zu den §§ 174 ff. StGB, sind kaum durchführbar, obwohl die gelisteten Wörter höchstens für Soziologen-Pornographie taugen würden. Die Liste der Fälle ist lang, Regionalzeitungen fallen zum Teil ebenso darunter wie Artikel des renommierten deutschen Blogs Spreeblick.


„Bei Fragen und Beschwerden wenden Sie sich bitte an ihren Netzwerkadministrator!“

Die Erklärung, man könne die entsprechenden Seiten ja per Nachricht an die IT freischalten lassen, ist schlichtweg anmaßend. Nicht nur dass der Aufwand dafür erheblich ist, der freie Internetzugang darf vielmehr kein großzügiges Zugeständnis sein, das von einem wenig transparenten Gremium gewährt wird oder eben nicht, es ist vielmehr für die Arbeit an der einer Hochschule konstitutiv. Es liegt mithin nicht im legitimen Interessenbereich des jeweiligen diensthabenden IT-Beauftragten, welche Internetseiten ich besuche und welche nicht.

Wozu der Filter überhaupt? Es ist verständlich, dass die Hochschule etwa Urheberrechtsverletzungen aus ihrem Netzwerk verhindert. Dies erreicht man aber nicht mit Web-Content Filtern und gleichzeitig sind einschlägige Websites wie Rapidshare vom Campus ironischerweise frei zugänglich. Glaubt man wirklich, Studenten würden anfangen wilde Porno-Nächte im IT-Center zu zelebrieren, wenn der tapfere Schutzwall DansGuardian fällt?

Falls jemand das Kinderpornographie-Argument auszupacken gedenkt, möchte ich vorsichtshalber noch einmal daran erinnern, dass Besitz und Beschaffung dergleichen Materials strafverfolgt wird und zudem ganz sicher nicht im freien Web erhältlich ist.

Bei genauem Hinschauen lässt sich die Belästigung, die durch die täglich hunderten Fehlalarme produziert wird, nicht rechtfertigen, daher sollte der gestrenge elektronische Sittenwächter besser in den Ruhestand geschickt werden. Im Zweifel für die Freiheit.

Jens hat in einem Beitrag auf seinem Jurakopf-Blog sehr schön die wichtigsten Normen aus dem Handelsrecht zusammengestellt, auf den ich unbedingt hinweisen wollte.

Die Liste richtet sich wohl an Examenskandidaten und ist für die Klausur zur Grundvorlesung daher eher mit Vorsicht zu genießen. Hier muss man meiner Ansicht nach weniger einen Schwerpunkt auf die Handelsgeschäfte im vierten Buch (§§ 343 ff. HGB) legen, als sich mit dem ersten herumschlagen: Die §§ 15 und 25 HGB, Handelsvertreterrecht und das Komissionsgeschäft werden wohl eher im Vordergrund stehen. Mittlerweile hat ja auch das Bilanzrecht traurige Berühmtheit für die Klausur im Handels- und Gesellschaftsrecht erlangt.

Zum Lesen empfehle ich außerdem anders als Jens nicht den Jung (in dem er übrigens den handelsrechtlichen Richtungsstreit vermisst), sondern den Lettl in Kombination mit den Hemmer-Fällen. À vous de choisir!

Dieses Trimester gibt es keine Bücherempfehlungen, da ich mich sonst wiederholen würde.

Heute (Donnerstag) findet um 18:00 Uhr im Auditorium der Benefizabend für das erdbebengeplagte Haiti statt. Die Tombola-Gewinne werden gezogen – und sie können sich wirklich sehen lassen. Außerdem gibt es heiße Waffeln für alle, die kältegeplagt vom Eislaufen auf der Alster zurückkommen. Schließlich spielt die Band und sorgt für Stimmung – es verspricht also, ein äußerst netter Abend zu werden!

Am Mittwoch geht’s in der VV (ab 13:45 Uhr) rund: Es gibt im Jahresbudget eine ganze Menge Geld zu verteilen, für das aber auch schon eine große Reihe von Anträgen gestellt wurde. Außerdem gibt es noch Nachwahlen und es ist über die Entlastung des Schatzmeisters zu entscheiden. Schließlich werden wir hoffentlich hören, was aus dem Projekt der Bewerbungsförderung geworden ist. Also: Kommen!

Die neue Ausgabe des Bucerius Law Journal ist online.

Die Juso-Hochschulgruppe führt aktuell eine Elitendebatte. Der Tenor eines längeren Diskussionsbeitrages lautet, dass man als echter Sozialdemokrat nicht an unserer Hochschule studieren dürfe, da diese einen Elitarismus verkörpere, der mit dem demokratischen Sozialismus nicht vereinbar sei.

Mal davon abgesehen, dass es wohl ohne irgendeine Form von Elite nicht geht; ungeachtet dessen, dass die SPD in den verantwortlichen Gremien der BLS großen Einfluss hat und unabhängig davon, dass unsere SV dieses Jahr mit der Bewerbungsförderung einen weiteren Schritt weg von der Geburtselite hin zur Leistungselite versuchen will, möchte ich auch einen Beitrag zur Diskussion leisten. Und zwar in Form eines Textausschnitts, den ich letztes Jahr für die Revision geschrieben habe und der letzten Endes keinen Eingang in die Druckfassung gefunden hat:

Manchmal denke ich mir aber, dass es durchaus auch sein Gutes hat, wenn man in seiner Studentenzeit manchmal in einem überfüllten Hörsaal keinen Platz mehr bekommt, sondern stehen muss. Es ist nicht unbedingt schlecht, wenn ein Student den Kampf gegen die Behörden selbst ausfechten muss, wenn er ein Semester im Ausland studieren möchte. An dieser Hochschule wird so viel für die Studenten getan und organisiert, ihre Professoren und sogar ihre zukünftigen Arbeitgeber zeigen so viel Präsenz, dass sie aufpassen müssen, nicht den Boden unter den Füßen zu verlieren.

Marion Dönhoff hat einmal geschrieben, dass es Aufgabe der jungen Leute ist, den Kapitalismus zu zähmen – der vielzitierte Sand in den Rädern der Welt zu sein. Die Studenten hier haben aber andere Dinge im Kopf. In viereinhalb Jahren inklusive Auslandsaufenthalt zum Staatsexamen, das ist schon sportlich. Da bleibt wenig Zeit, zu hinterfragen, politisch zu diskutieren und auf die Straße zu gehen, habe ich das Gefühl.

Offenbar haben wir doch die Zeit – sehr schön. Weitere Diskussionen zum Thema gerne in den Kommentaren – und vielleicht bald auch an dieser Stelle?

Nachtrag: Am besten sollte es natürlich hier weitergehen.

C: Reto Gericke 2009

Anlässlich der Hochzeit von Prof. Dr. Faust und Frau Faust, vormals Frahm, kam die Studierendenvertretung auf die Idee, den beiden ein studentisches Kochbuch zum Geschenk zu machen. Heraus gekommen ist eine Kodifikation 52-Seiten starke Sammlung von ausgewählten Anleitungen zur Gaumenverwöhnung.  Das Ergebnis kann hier online betrachtet werden und lässt sich hier als FDP PDF downloaden. Sicherheitshalber der  Hinweis: Das Dokument wird nicht vom Buc-Blog bereit gestellt und unterliegt auch nicht dessen Urheberschaft. Einige Kommilitonen hatten leider keine Kamera griffbereit, sodass bei der Illustrierung etwas improvisiert werden musste, daher.

Nach dem Klick gibt es noch eine juristisch unbedenkliche, weil vom Autor höchstpersönlich erstellte, Kostprobe: Indisches Hühnchencurry mit einem Hauch Zivilrecht. ;-)

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