UPDATE: Mittlerweile hat es auch Richter Ballmann erwischt.

An der BLS wird der gesamte Webverkehr mit einem sog. „echten Webcontentfilter“ gefiltert, der sich von einem unechten insofern unterscheidet, dass er nicht nur Webseiten von einer stetig aktualisierten schwarzen Liste blockt, sondern sich daran macht mittels verschiedener Verfahren (z.B. Auszählen von Schlagworten) zu entscheiden, was zulässiger Inhalt ist und was nicht.

Die Ergebnisse sind erwartungsgemäß aberwitzig. Bezeichnend ist beispielsweise, dass ausgerechnet das Gutenbergprojekt (hier z.B. Kafkas Prozeß) Opfer dieser Filterung ist: Der Vater von Informationsfreiheit und Demokratisierung von Wissen trifft auf die „Grenze für gewichtete Worte“.

Aber auch Fachrecherchen, etwa zu den §§ 174 ff. StGB, sind kaum durchführbar, obwohl die gelisteten Wörter höchstens für Soziologen-Pornographie taugen würden. Die Liste der Fälle ist lang, Regionalzeitungen fallen zum Teil ebenso darunter wie Artikel des renommierten deutschen Blogs Spreeblick.


„Bei Fragen und Beschwerden wenden Sie sich bitte an ihren Netzwerkadministrator!“

Die Erklärung, man könne die entsprechenden Seiten ja per Nachricht an die IT freischalten lassen, ist schlichtweg anmaßend. Nicht nur dass der Aufwand dafür erheblich ist, der freie Internetzugang darf vielmehr kein großzügiges Zugeständnis sein, das von einem wenig transparenten Gremium gewährt wird oder eben nicht, es ist vielmehr für die Arbeit an der einer Hochschule konstitutiv. Es liegt mithin nicht im legitimen Interessenbereich des jeweiligen diensthabenden IT-Beauftragten, welche Internetseiten ich besuche und welche nicht.

Wozu der Filter überhaupt? Es ist verständlich, dass die Hochschule etwa Urheberrechtsverletzungen aus ihrem Netzwerk verhindert. Dies erreicht man aber nicht mit Web-Content Filtern und gleichzeitig sind einschlägige Websites wie Rapidshare vom Campus ironischerweise frei zugänglich. Glaubt man wirklich, Studenten würden anfangen wilde Porno-Nächte im IT-Center zu zelebrieren, wenn der tapfere Schutzwall DansGuardian fällt?

Falls jemand das Kinderpornographie-Argument auszupacken gedenkt, möchte ich vorsichtshalber noch einmal daran erinnern, dass Besitz und Beschaffung dergleichen Materials strafverfolgt wird und zudem ganz sicher nicht im freien Web erhältlich ist.

Bei genauem Hinschauen lässt sich die Belästigung, die durch die täglich hunderten Fehlalarme produziert wird, nicht rechtfertigen, daher sollte der gestrenge elektronische Sittenwächter besser in den Ruhestand geschickt werden. Im Zweifel für die Freiheit.

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