Ein Gastbeitrag.

Liebe SV,
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ich muss meinem Unmut über das Intranet, das, wie ich finde, symptomatisch für die Entwicklung an der Law School steht, etwas Luft verschaffen. Nicht nur, dass sich Wahlen nicht über das Intranet ausführen lassen und es ständig den Geist aufgibt; wie ich selbst feststellen musste, lassen sich nicht einmal Noten korrekt, also in 0,5er-Schritten, darstellen. Es wird so viel Geld für Mitarbeiter in Bereichen wie Merchandise oder ähnlichem ausgegeben (manche würden wohl sagen: zum Fenster rausgeschmissen), dass man sich ernsthaft fragen muss, ob dieses Geld nicht sinnvoller für die Kernaufgaben einer Hochschule (wie ein funktionsfähiges Intranet) ausgegeben werden könnte.

Das ist ein Zustand, der meines Erachtens so nicht haltbar ist und der nicht nur bei mir für Bedenken im Hinblick auf die Zukunft unserer Hochschule sorgt. Die Law School hat sich immer damit gerühmt, den Studierenden die bestmöglichen Studienbedingungen zu bieten, angetrieben von dem Wunsch, es besser zu machen als die anderen juristischen Fakultäten. Die haben das Signal vernommen und in den letzten Jahren konstant aufgeschlossen (die HU ist nur ein Beispiel).

Wenn die Law School an dem Kurs der letzten Jahre festhält, der in meinen Augen vor allem von einem „Weiter so“ gekennzeichnet ist, werden sich in Zukunft immer weniger Leute finden, die bereit sind, die stetig steigenden Studiengebühren zu bezahlen und wir werden schlicht zu einer Hochschule der Besserverdienenden werden.

Ein marodes Intranet sowie ein Witz von einem IT-Center sehe ich wie gesagt nur als Symptome. Es scheinen mir vor allem der unbedingte Wille, das beste Jura-Studium in Deutschland anzubieten und die dafür erforderliche Offenheit verloren gegangen zu sein.

Warum gibt es beispielsweise kein ständiges Gremium (besetzt mit Alumni, Studierenden, Praktikern, Förderern), das neuen Entwicklungen in der Hochschullandschaft auf der Spur bleibt und eine Schnittstelle zwischen Studierenden und Hochschulleitung bildet? Die Studierendenvertreter, die sich mit Herrn Vorberg über die Locher in der Bib streiten müssen (will sagen, sich um alle Fragen des täglichen Uni-Lebens kümmern müssen), können eine solche Aufgabe zeitlich nicht auch noch übernehmen. Die Law School ist mir ihrer Größe doch prädestiniert für einen regen Austausch zwischen Hochschulleitung und Studierenden. Ein solcher findet aber viel zu selten statt und häufig entsteht der Eindruck, den Studierenden wird eher pro forma ein Sitz in bestimmten Ausschüssen eingeräumt.

Viel wichtiger als eine solche Detailfrage wäre aber, einmal inne zu halten und nach dem Selbstbild unserer Hochschule zu fragen. Was war ihre Gründungsidee? Wurde sie konsequent umgesetzt? Musste sie (in Teilen) revidiert werden? Müssen wir uns umbenennen in „Bucerius Law School – Event-Hochschule für Rechtswissenschaft – Die passende Location für Ihre Schlipsträgerveranstaltung“?

Der zehnte Geburtstag wäre doch ein guter Anlass, sich diesen Fragen einmal ehrlich zu stellen.

In diesem Sinne,
Sello (Jg. 2006)

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