Oktober 2010


Die neue Ausgabe des Bucerius Law Journal ist erschienen. Im Editorial geht es übrigens um Vertreibung (!) in Brasilien.

Am Rande bemerkt: Bald wollen die Kollegen von der Uni Hamburg mit einer eigenen „Fakultätszeitschrift“ nachziehen, „Hamburger Rechtsnotizen“ soll das Periodikum heißen. Ein call for papers hat die buc.blog-Redaktion bereits erreicht, die Domain ist aber noch tot.

Weil er einem Mann ein 40 Zentimeter großes Penis-Bild auf den Rücken tätowiert hat, muss sich ein 21-jähriger Australier wegen Körperverletzung vor Gericht verantworten.

Die Taz berichtet heute von einem etwas skurrilen strafrechtlichen Fall. A lässt sich von B tätowieren, dieser hält sich aber nicht an die Vereinbarung betreffend des Motivs, tätowiert Penis statt Drachen. C, ebenfalls anwesend, klärt A nicht über diesen Irrtum auf, lobt sogar die Arbeit des Tätowierers. Nachdem sich das Tattoo auf dem Rücken befindet, bemerkt A erst zu Hause den Fehler.

Einwilligungsexperten vor! Wie haben sich B und C nach dem StGB strafbar gemacht?

Bearbeiterhinweis: Gehen sie von einer Anwendbarkeit des deutschen StGB aus.

Steinbach in der BLS am 26. Oktober 2010

Nachdem die Veranstaltung mit Erika Steinbach, die am Montag auf Einladung des RCDS im Auditorium der Hochschule sprach, im Vorfeld für einigen Aufruhr gesorgt hatte (buc.blog berichtete mehrfach) kann jetzt erleichtert festgestellt werden, dass letztendlich doch nichts zu Bruch gegangen, niemand zu Schaden gekommen ist und auch die hiesige Streitkultur angesichts des recht gesitteten Ablaufs weder zu Grabe getragen wurde, noch sich in selbigem vor Scham rotieren musste.

Im Folgenden soll einzelnen Autoren Gelegenheit gebeten werden, ihre Eindrücke von der Veranstaltung zu teilen. Ergänzungen gerne in den Kommentaren aber – bitte bitte – in der gebotenen Mäßigung!

LZ:
Mit Spannung war die Veranstaltung erwartet und verschiedene Szenarien, von „der RCDS wird nur völlig harmlose Fragen stellen“ bis „das wird in persönliche Beschimpfungen ausarten“, durchdiskutiert worden. Entsprechend gut gefüllt war das Auditorium. Die Fragen legten dann durchaus den Finger in die Wunde, aber man kann wohl nicht erwarten, dass ein Profi wie Erika Steinbach davon aus dem Konzept gebracht wird. Ob man aggressiver/provokativer hätte fragen müssen? Ich meine nein, denn es ließ sich durchaus ein differenzierter Eindruck von der Person Erika Steinbach gewinnen. Ihre Ansichten kritisch zu rezipieren und nicht unreflektiert zu übernehmen traue ich jedem Besucher zu.

Auffällig war die große Anzahl an Teilnehmern, die zumindest äußerlich sämtliche Jurastudenten-Klischees erfüllten. Die Mehrzahl war mir jedoch unbekannt und kam folglich vermutlich von der Uni Hamburg. Da ist man mal wieder froh, dass diese Klischees zumindest äußerlich auf die überwiegende Mehrheit der BLS-Studenten nicht zutreffen.

JJ:
Diese Veranstaltung war vor allem eines: Die Möglichkeit für Erika Steinbach, ihre Position dem vollbesetzen Auditorium direkt und ohne die Gefahr, aus dem Zusammenhang zitiert zu werden darzustellen. Insofern also ein Erfolg und ja: interessant. Nur ist es dabei dann geblieben. Der RCDS hatte es versäumt, ihr einen Gesprächspartner auf Augenhöhe zur Seite zu stellen. Der Moderation kann man an dieser Stelle leider nur (immerhin) redliches Bemühen attestieren, aufzuzeigen, dass es auch für die Steinbach’sche Sicht sagen wir: vorstellbare Gegenmodelle gibt. Und dass es die gab, zeigte nicht nur eine einsame vorbereitete Nachfrage; wenn Steinbach ihre Unpopularität in Polen zunächst auf schlechte Mediendarstellung schiebt und dann im nächsten Moment süffisant lächelnd erklärt, sie kriege von einer gewissen polnischen Stadt schon gar nur den deutsche Name beisammen, dann sollte man grübeln. Ohne sehr gute Vorbereitung und mit devoter Sprachlosigkeit war hier leider nichts zu machen.

Fazit: Diese Aufgabe müssen beim nächsten Mal Profis übernehmen.

Veranstaltung und Gegenveranstaltung laufen.

Ein Ranking, das auf den Noten der Studierenden eines Jahrgangs basiert, wird nur zum Zweck der Vergabe der Studienplätze für das Auslandstrimester erstellt. Jeder Studierende erfährt lediglich seinen eigenen Ranking-Platz, und dies auch nur zu diesem einen Anlass im gesamten Studienverlauf.

So der bisherige Stand. Vor einigen Monaten bereits gab es dann große Aufregung: Ein Lehrstuhl hatte zum Zweck der besseren Einordnung von Bewerbern auf eine Stelle als studentische Hilfskraft deren Rankingplätze Notenübersichten angefordert. Aus Versehen wurde versäumt, darin enthaltene Rankingplätze aus den Bewerbungsunterlagen, die den abgelehnten Kandidaten zurückgegeben wurden, zu löschen. Dies hatte zur Folge, dass einige Kommilitonen bereits Monate vor dem Auslandsranking ihren (damaligen) Ranking-Platz erfuhren.

Nun ist es durchaus fragwürdig, dass Rankingergebnisse Notenübersichten inklusive Rankingergebnissen bei Bewerbungen von studentischen Hilfskräften angefordert werden (es handelt sich schließlich um Kopierjobs, da helfen 10 Punkte in Vertragsrecht I/II nicht unbedingt weiter). Außerdem scheinen die Informationen ohne vorherige Einwilligung der jeweiligen Bewerber angefordert worden zu sein. Das ist mindestens schlechter Stil.

Wie auch immer, der Käse schien eigentlich schon gegessen, auch weil alle Beteiligten beteuerten, es handle sich um ein Versehen, so etwas komme nie wieder vor. Vor wenigen Wochen jedoch setzte eine Jahrgangsversammlung des betroffenen Jahrgangs das Thema wieder auf die Tagesordnung. Bei der folgenden Senatssitzung wurde dann folgende Regelung getroffen (so die Info-Mail der Jahrgangsvertreter):

Die Freigabe der Noten bzw. des Rankingplatzes erfolgt ausschließlich und unmittelbar auf Veranlassung der Studenten. Man würde sich also wie gehabt entweder einen Ausdruck abholen oder Frau O´Connor selbst anschreiben, bevor diese dann Noten bzw. bei Gutachten etc. den Rankingplatz an die Lehrstühle sendet. Auf der Klausurtagung am 5.11. wird dieser Punkt noch einmal besprochen.

Unklar bleibt bei dieser Lösung jedoch, wie verhindert werden soll, dass der einzelne Studierende seinen eigenen Rankingplatz erfährt. Denn auch bei Bewerbungen/Gutachten für Stipendien sollen Ranking-Ergebnisse eine Rolle spielen (häufig gehörte Vermutung: „In die Studienstiftung wird nur endgültig aufgenommen, wer unter den besten 10% seines Jahrgangs ist“). Wenn es jedoch relativ einfach ist, den eigenen Rankingplatz zu erfahren, besteht die Gefahr, unerwünschtes (und bisher erfolgreich vermiedenes) „Rankingdenken“ zu befördern. Bisher hat die Hochschule durchaus auch damit geworben, hier bekomme nie jemand schwarz auf weiß bescheinigt, dass er „nur Platz 95 ist“.

Die Meinungen darüber, wie einfach man an seinen Rankingplatz gelangen soll, gehen ja durchaus auseinander. Es ist aber höchste Zeit, eine klare und transparente Regelung zu präsentieren, wie, wann und auf wessen Veranlassung welche Studienleistungen an wen weitergegeben werden. Schon allein, um die von Spekulationen geprägte Diskussion zu beenden.

LZ

Nachtrag: Anscheinend wurden von dem betreffenden Lehrstuhl nicht Rankingergebnisse, sondern Notenübersichten von den Bewerbern angefordert. Die Rankingergebnisse waren nur versehentlich „dabei“. Das ändert allerdings nichts daran, dass Prüfungsleistungen offenbar ohne Einwilligung weitergegeben wurden und dass es relativ leicht ist, seinen eigenen Rankingplatz zu erfahren. Trotzdem entschuldige ich mich für diese unrichtige Information.

LZ

Der Vortrag Erika Steinbachs am kommenden Montag zum Thema „Heimat im Spannungsverhältnis von Flucht und Vertreibung“ (buc.blog berichtete) schlägt immer größere Wogen:

Mittlerweile haben sich über 100 Kommilitonen auf Facebook angemeldet, die Veranstaltung findet daher im Auditorium statt. Die Plakate, die darauf hinweisen, sind jedoch leider zum großen Teil von Kritikern abgerissen worden.

Die RCDS-Hochschulgruppe hat sich mittlerweile intern über Steinbachs Kommen inhaltlich auseinandergesetzt und eine differenzierte Position gefunden. In den Jahrgängen 2009 und 2010 kursieren etwas gruselige Rundmails, die ihre komische Wirkung wohl verfehlt haben. Und der SDS der Uni Hamburg will vorne an der Jungiusstraße eine Mahnwache organisieren, für die bisher jedoch erst wenige Anmeldungen erfolgt sind – man darf also wirklich gespannt sein.

Nachtrag: Der SDS verteilt Flugblätter, die zur Teilnahme an der Mahnwache aufrufen.

Wenig erfolgreiche, eher aus Desinteresse die Juristerei studierende NichtBWLseinwoller, mit durchaus guten Manieren, aber ohne jede Chance in einem veränderten und globalisierten Berufsbild mit Law Firms und Profit Centern.

 

Wozu man die brauchen könnte, ist bei der FAZ im Blogportal nachlesbar.

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