Steinbach in der BLS am 26. Oktober 2010

Nachdem die Veranstaltung mit Erika Steinbach, die am Montag auf Einladung des RCDS im Auditorium der Hochschule sprach, im Vorfeld für einigen Aufruhr gesorgt hatte (buc.blog berichtete mehrfach) kann jetzt erleichtert festgestellt werden, dass letztendlich doch nichts zu Bruch gegangen, niemand zu Schaden gekommen ist und auch die hiesige Streitkultur angesichts des recht gesitteten Ablaufs weder zu Grabe getragen wurde, noch sich in selbigem vor Scham rotieren musste.

Im Folgenden soll einzelnen Autoren Gelegenheit gebeten werden, ihre Eindrücke von der Veranstaltung zu teilen. Ergänzungen gerne in den Kommentaren aber – bitte bitte – in der gebotenen Mäßigung!

LZ:
Mit Spannung war die Veranstaltung erwartet und verschiedene Szenarien, von „der RCDS wird nur völlig harmlose Fragen stellen“ bis „das wird in persönliche Beschimpfungen ausarten“, durchdiskutiert worden. Entsprechend gut gefüllt war das Auditorium. Die Fragen legten dann durchaus den Finger in die Wunde, aber man kann wohl nicht erwarten, dass ein Profi wie Erika Steinbach davon aus dem Konzept gebracht wird. Ob man aggressiver/provokativer hätte fragen müssen? Ich meine nein, denn es ließ sich durchaus ein differenzierter Eindruck von der Person Erika Steinbach gewinnen. Ihre Ansichten kritisch zu rezipieren und nicht unreflektiert zu übernehmen traue ich jedem Besucher zu.

Auffällig war die große Anzahl an Teilnehmern, die zumindest äußerlich sämtliche Jurastudenten-Klischees erfüllten. Die Mehrzahl war mir jedoch unbekannt und kam folglich vermutlich von der Uni Hamburg. Da ist man mal wieder froh, dass diese Klischees zumindest äußerlich auf die überwiegende Mehrheit der BLS-Studenten nicht zutreffen.

JJ:
Diese Veranstaltung war vor allem eines: Die Möglichkeit für Erika Steinbach, ihre Position dem vollbesetzen Auditorium direkt und ohne die Gefahr, aus dem Zusammenhang zitiert zu werden darzustellen. Insofern also ein Erfolg und ja: interessant. Nur ist es dabei dann geblieben. Der RCDS hatte es versäumt, ihr einen Gesprächspartner auf Augenhöhe zur Seite zu stellen. Der Moderation kann man an dieser Stelle leider nur (immerhin) redliches Bemühen attestieren, aufzuzeigen, dass es auch für die Steinbach’sche Sicht sagen wir: vorstellbare Gegenmodelle gibt. Und dass es die gab, zeigte nicht nur eine einsame vorbereitete Nachfrage; wenn Steinbach ihre Unpopularität in Polen zunächst auf schlechte Mediendarstellung schiebt und dann im nächsten Moment süffisant lächelnd erklärt, sie kriege von einer gewissen polnischen Stadt schon gar nur den deutsche Name beisammen, dann sollte man grübeln. Ohne sehr gute Vorbereitung und mit devoter Sprachlosigkeit war hier leider nichts zu machen.

Fazit: Diese Aufgabe müssen beim nächsten Mal Profis übernehmen.

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