Der SPIEGEL berichtet in seiner aktuellen Ausgabe unter dem Titel „Schöner Schein“ über den Präsidenten der European Business School (ebs), Christopher Jahns. Die Autoren kritisieren Jahns enge Verbindungen mit Unternehmen, die wiederum als Dienstleister für die ebs fungieren. So soll Jahns, Hochschulpräsident und Mitglied im Verwaltungsrat, Präsident einer Firma namens SMI sein. Im Auftrag dieser Firma operiert eine Dienstleistungsgesellschaft, welche auch SMI im Namen trägt. Diese arbeitet für die Hochschule. Hinter der Dienstleistungsgesellschaft steckt wiederum eine Aktiengesellschaft die von mehreren Brain-Net Managern geführt wird, eine Firma, die dem SPIEGEL nach immer wieder im Umfeld der Hochschule auftaucht. Ein Brain-Net Topmanager, Christan Rast, sitzt im Stiftungsvorstand der Hochschule. Jahn selbst gehört den Verwaltungsräten von mehreren Unternehmen von Brain-Net an. Auf Nachfrage des SPIEGELs, ob ein Interessenkonflikt bestehe, wiegelte Jahn ab: alles sei sauber, geprüft und genehmigt. Der SPIEGEL führt weiterhin Dokumente an, welche die enge Verbindungen aufzeigen sollen: So ist von einem internen Brain-Net-Dokument die Rede, welches die Beziehungen der Universität mit dem Unternehmen als „besonders sensibel“ bezeichnet und einem weiteren Dokument, in dem Jahn seine Position als Präsident der Universität und als Manager des SMI vermischt. Der Spiegel verurteilt dies besonders im Lichte der Tatsache, das die ebs bis zu 50 Millionen Euro an Steuergeldern kassiert, und das Jahns eine Manager-Ethik propagiert („Die Ethik ist in den vergangenen Jahren eindeutig zu kurz gekommen“).

Der Artikel selber spricht einen wichtigen Punkt an: Es ist schlecht, wenn die Interessen einer Universitätsleitung mit eigenen, wirtschaftlichen Interessen kollidieren, und Machtpositionen ausgenutzt werden. Aber um den ebs-Präsidenten vorerst in Schutz zu nehmen: Gerade im Falle der ebs konkretisieren sich die Vorwürfe auf einige „Verzahnungen“ der Hochschule mit der Wirtschaft. Aufgrund dessen, dass die ebs vom Prinzip her eine enge Verbindung mit Unternehmen hat, könnten diese Phänomene auch nur Begleiterscheinungen sein. Ob hier Jahns eigene Interessen über die der Hochschule stellt, kann nicht als bewiesen gelten. Auch das „schwer durchaubare[s] Geflecht“, dass die Universität sein soll, könnte nur eine Phrase des SPIEGELs sein. Denn wenn, wie Jahns behauptet, die Vorgänge wirklich sauber und abgesegnet sind, kann es sein, dass die Verfechtungen nur für außenstehende intransparent sind – unglücklich, aber für eine private Institution nicht ungewöhnlich. Und das der SPIEGEL – der für seinen investigativen Journalismus bekannt ist – manchmal über sein Ziel hinausschießt, weiß man auch. Dennoch: Die Geschichte hinterlässt einen schalen Beigeschmack („Gschmäckle“). Im Interesse der Universität und seines eigenen Rufs würde sich eine klare Stellungsnahme von Seiten Jahns sicherlich gut tun – schon allein damit die Ethik in den kommenden Jahren nicht zu kurz kommt.

ND

Nachtrag: Die Affäre erreicht auch die Politik.

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