Juni 2011


Gleich zwei große Auftritte hatte die Bucerius-Krawatte in der vergangenen Woche vor dem Hamburgischen Verfassungsgericht. Gestritten wird über die Verfassungsmäßigkeit des Volksentscheids gegen die sechsjährige Primarschule. Zwei Befürworter des Volksentscheids hatten wohl schon beim morgendlichen Griff in den Kleiderschrank ähnliche Gedanken (den Bildbeweis gibt’s hier).

Interessant wäre, wie wohl die Begrüßung der beiden am Sievekingplatz ausfiel.

„Sehr modisch, Herr Kollege.“

„… und Sie erst.“

Und der Dritte im Bunde auf genanntem Bild? Hat noch bis zum 14. Dezember Zeit, nachzuziehen. Dann soll’s das Urteil geben.

Advertisements

Nach langen Wochen voller Feiern, Urlaub und dem ersten richtigen Job finde ich mich heute unerwartet in der Bib wieder: Dreieinhalb Monate nach den Examensklausuren steht die Vorbereitung auf die mündliche Prüfung auf der Tagesordnung.* Nach all den Klausuren ist diese Prüfungsform am Ende des Studiums natürlich etwas ungewohnt.  Bei juraexamen.info finden sich deshalb FAQ zur mündlichen Prüfung.

Zu dieser Vorbereitung gehört auch das Studium der Prüfungsprotokolle, die andere Studenten (die „Kandidaten“) in der Vergangenheit angefertigt haben. Die Beck-Akademie (ein Hamburger Repetitorium) sammelt diese Berichte, ähnlich wie unsere SV die Prüfungsprotokolle der mündlichen Schwerpunktprüfungen archiviert.

In diesen Protokollen erfährt man, wie das so genannte Vorgespräch einige Tage vor der mündlichen Prüfung abläuft, welche Fragen gestellt wurden und wie die Kandidaten ihre Prüfer allgemein einschätzen.

Diese Texte lesen sich ungefähr so spannend wie Schulaufsätze über die letzte Klassenfahrt aus der siebten Klasse. Doch ab und zu sind darin auch kleine Perlen des (unfreiwilligen) Humors zu finden, die ich euch nicht vorenthalten wollte:

[Der Prüfer] bat uns zu Beginn des Vorgesprächs etwas zu essen oder zu trinken an, was wir aber ablehnten.

Oje. Dieser Satz hat bei mir großes Kopfschütteln ausgelöst. Erstens: Wen interessiert dieses Detail? Und, viel wichtiger: Warum zum Teufel haben diese Helden die nette Geste des Prüfers (übrigens ein BLS-Prof) auch noch abgelehnt?

Sehr charmant auch die folgende Anekdote (Danke an J.):

Während der gesamten Prüfung machte [der Prüfer] einen gelangweilten Eindruck, welches man dadurch zu spüren bekam, dass er des Öfteren gähnte und mit dem Inhalt seiner Nase beschäftigt war.

Nun ja, nach dem Stil des Prüfungsprotokolls zu schließen ist das bei diesen Kandidaten auch kein Wunder.

Zum Schluss noch ein Zitat, bei dem ich mir sicher bin, dass der Kandidat sein Protokoll nur geschrieben hat, um bei mir in den Blog zu kommen. Bei den folgenden Zeilen habe ich jedenfalls Tränen gelacht:

Mann kann sicher sein dass der Einstieg in die öffentlich Rechtliche Prüfung ihren Ansatz in der Aktuellen Presse findet !! mann braucht sicher 3-4 Wochen Zeitung, wenn mann sicher gehen will etwas dazu sagen zu können! Hier sei jedoch gesagt das die Presse jeweils nur den Aufhänger bot, währen Detailskenntnisse bzgl. Des jeweiligen Lebenssachverhalt nicht erforderlich waren! Er kommt vom Aktuellen zu Grundlagen!

Das stand da wirklich so drin. Ich Schwöhr! Und ja, natürlich war auch der Name des Prüfers falsch geschrieben.

An meine Mitstreiter und die mitlesenden Alumni: Welche „Perlen“ habt ihr in euren Berichten gefunden?

*Wer es wissen will: Ja, ich habe in den Klausuren auf die Nachkommastelle genau den Schnitt aus meinen ExÜs geschrieben.