Die Klausurenphase ist vorbei, die Sommerferien stehen bevor. Law-School-Studenten verbringen diese in der Regel mit einem Praktikum, ganz überwiegend in einer Großkanzlei. Ich habe bei meinen ersten Praktika so manche Fehler gemacht, die sich eigentlich vermeiden ließen. Deshalb kommt hier der große buc.blog’s Guide to the Einführungspraktikum:

Arbeitszeit – Ist von Kanzlei zu Kanzlei unterschiedlich. In der Regel fängt man zwischen 9 und 9.30 Uhr an und geht als Praktikant gegen 18 Uhr. Wer länger bleibt, ist selber schuld, das wird häufig nicht einmal bemerkt. Und die Aufgaben eines Praktikanten sind normalerweise nicht streng fristgebunden. Wer tatsächlich so eingebunden wird, dass er oder sie noch am Abend/in der Nacht etwas fertigstellen muss, kann das als Vertrauensbeweis werten.

Arbeitszeugnis – Sollte man, sofern es nicht nach einigen Wochen automatisch verschickt wird, von seinem Praktikumsgeber anfordern, was gleichzeitig eine nette Möglichkeit ist, → Kontakt zu halten.

Billable Hours – Dem Mandanten in Rechnung gestellte Arbeitsstunden. Häufig werden Großkanzleianwälte nicht nach RVG (Rechtsanwaltsvergütungsgesetz), sondern stundenweise bezahlt. Nicht alles, was ein Anwalt während seines 16-Stunden-Tages macht, kann jedoch dem Mandanten in Rechnung gestellt werden. Deshalb wird mittels → Timesheet teilweise minutengenau dokumentiert, wer was wann für welches Mandat gemacht hat. Am Ende wird die Rechnung nochmal revidiert und gekürzt, denn erstens sind die Beträge meist gedeckelt und zweitens will man den Mandanten halten, da steckt man auch beim Honorar zurück.

Dresscode – Ist ebenfalls von Kanzlei zu Kanzlei unterschiedlich. Frauen haben es häufig leichter, weil die Regeln nicht so eindeutig sind. Für Männer gilt: Es ist Sommer, deshalb werden in vielen Büros zumindest die Krawatten gelockert oder ausgezogen. Mein Eindruck ist, dass es hier auch regionale Unterschiede gibt: München ist etwas lockerer, Frankfurt ganz streng. Häufig wird man morgens mit Krawatte und Anzug kommen und dann zumindest das Jackett, vielleicht auch die Krawatte ausziehen.

Kontakt – Das Praktikum dient mehreren Zwecken. Einer davon ist, erste persönliche Kontakte mit Praktikern zu knüpfen. Zwar hat man im Referendariat noch reichlich Gelegenheit dazu, jedoch kann es nicht schaden, bereits während des Studiums Kanzleien und deren Anwälte kennenzulernen. Dabei kann man schon mal vorfühlen, ob man sich vorstellen kann, dort später einmal zu arbeiten. Häufig gehen Berufsanfänger in Abteilungen, die sie schon kennen.

Memo – Das häufigste Ergebnis einer Aufgabe. Wichtig hierbei: Die kanzleieigene Formatvorlage verwenden, sich mit den Formalia (Aufbau, Schriftart, Dateinamen) vertraut machen, vielleicht mal ein altes Memo eines Associates ansehen.  Viele Memos folgen dem Aufbau „Aufgabenstellung – Zusammenfassung – Sachverhalt – rechtliche Wertung“. Wenn es fertig ist, ausdrucken, nochmal drüberlesen, und dann per E-Mail an den Auftraggeber. Überhaupt gilt: Immer mal wieder Arbeitsergebnisse verschicken, damit der Betreuer/Auftraggeber weiß, dass man da ist (→ nach Arbeit fragen).

Nach Arbeit fragen –  Klar, mancher will sich im Praktikum auch nicht überarbeiten, und häufig ist Facebook auf dem Kanzleirechner nicht gesperrt. Trotzdem ist es sinnvoll, an den Türen der Anwälte zu klopfen und zu fragen, ob gerade eine kleine Recherche für einen abfällt. Man kann, wenn man sich etwas engagiert, sehr viel über Jura lernen, und das auf ganz andere Weise als im Studium. Das hilft dann auch im weiteren Studienverlauf.

Nachfragen – Lohnt sich stets. Wenn man eine (Recherche-) Aufgabe bekommen hat, versteht man die Aufgabe häufig erst, nachdem man sich einige Zeit in das Thema eingelesen hat.

Timesheet – Dient der Erfassung der → Billable Hours. Es empfiehlt sich, am Anfang des Praktikums nachzufragen, ob man ein Timesheet führen soll. In der Regel werden Praktikanten nicht oder kaum gebillt, doch als Selbstkontrolle und für das spätere → Arbeitszeugnis ist es hilfreich.

Überforderung – Typisches und ganz normales Gefühl, nicht nur im Jurastudium, sondern auch im Praktikum. Ich sollte nach einem Jahr Studium für meinen Betreuer herausfinden, wie ein Widerspruch zur Gesellschafterliste im Handelsregister per einstweiliger Verfügung hinzugefügt wird. Das sei so ähnlich wie beim Widerspruch zum Grundbuch. Ich hatte gerade mal mit Mühe beim Mobiliarsachenrecht verstanden, was das Trennungs- und Abstraktionsprinzip ist, und keine Ahnung, was es mit der Gutglaubenswirkung des Handelsregisters auf sich hat. Man muss sich dann einfach durchkämpfen, nach einiger Zeit fängt man an, zu verstehen.

Ergänzungen in den Kommentaren willkommen.

Alte Praktikantengeschichten: 1, 2, 3, 4, 5, 6.

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